Irischer Rundfunk RTÉ schaltet Langwelle ab

Die Langwelle leert sich: Am 27. Oktober diesen Jahres wird der öffentlich-rechtliche irische Rundfunk RTÉ seinen Langwellensender 252 kHz abschalten. RTÉ hatte die Sendeanlage im irischen Clarkstown 2001 vom Privatsender Atlantic 252 übernommen und strahlt dort derzeit sein Vollprogramm RTÉ Radio 1, Sportübertragungen sowie religiöse Sondersendungen aus. Im Gegenzug trennte man sich von kleineren Mittelwellensendern, da die Langwelle in ganz Irland und weit darüber hinaus empfangbar ist, in den Abendstunden auch in Deutschland. 2007 wurde die Anlage erst mit neuer Sendetechnik ausgestattet und digitaltauglich umgerüstet.

Sender ClarkstownDer Sender begründet die geplante Abschaltung auf seiner Homepage damit, dass ein Großteil der Hörer UKW, DAB, Satellit, DVB-T oder Internetradio nutze. Zudem seien die Energiekosten zu hoch und der Betrieb der Anlage nicht umweltfreundlich. Kurios ist die Tatsache, dass RTÉ angibt, die Langwelle biete nur unzuverlässigen Empfang. Tatsächlich werden LW-Sendungen häufig als besonders robust bezeichnet, so wie dieser Tage beim isländischen Rundfunksender RÚV, der die Versorgung der Bevölkerung mit Radioprogrammen in Katastrophen- und Krisensituationen allein mit Langwelle aufrecht erhalten will (s. Link unten).

Ende des Jahres sollen außerdem die Langwellensendungen von Deutschlandfunk (zwei Frequenzen) und Deutschlandradio Kultur (eine Frequenz) enden.

Update 22.12.2014: Die Abschaltung des irischen Senders wurde auf 2017 verschoben.

Weiterführende Informationen

Homepage von RTÉ mit Hinweisen zur Abschaltung (via A-DX)
Videos: Besuch bei der Sendeanlage zu Zeiten von Atlantic 252: Teil 1 / Teil 2
Geschichte von Atlantic 252
Island: Langwelle als Grundversorgung
Frequenzübersicht Langwelle

Foto: „03-Clarkestown mast 2007-09-06“ by Trounce. Licensed under Creative Commons Attribution 3.0 via Wikimedia Commons

1 Comment

  • Walter Barteczek

    15. Oktober 2014 at 17:07

    Offenbar hat man den möglichen Abschalttermin auf den 19. Januar 2015 verschoben. Eventuell ist eine „Lösung“ wie in Topolna in Sicht. Aus meiner Sicht der Dinge ist es unklug, eine Exklusivfrequenz in Europa ganz aufzugeben. Einzig die Langwelle erlaubt eine sehr ökonomische Abdeckung einer recht grossen Fläche mit minimalem Aufwand.