Erinnerungen an den Sender Wertachtal

1972 war es soweit: Eine neue Kurzwellen-Rundfunksendeanlage ging auf Sendung. Zwischen Ettringen und Lamerdingen nahe Landsberg am Lech hatte man innerhalb von drei Jahren einen Sender aus dem Boden gestampft, der die Programme der Deutschen Welle in den verschiedensten Sprachen rund um die Welt senden sollte (und die gerade stattfindende Olympiade ebenfalls). Drei riesige Antennenwände und verschiedene kleinere Anlagen konnten zeitgleich in alle Ecken der Welt strahlen.

Sendeantennen

Doch im Mai 2013 gab es keine Olympiade und keine Deutsche Welle mehr, die noch auf Deutsch sendete oder überhaupt noch aus Deutschland strahlen wollte. Andere Anbieter, vornehmlich religiöser Natur, nutzten Wertachtal noch weiterhin.

Ausgelastet war die Station aber nicht mehr. Das Betreiberunternehmen, die Media Broadcast GmbH, entschied sich daher dazu, die Sendestation aufzulösen und die Antennen abreißen zu lassen.

Weitere Bilder und Details finden sich u.a. auf Wikipedia. Künftig sollen auf dem Gelände Windkraftanlagen stehen, nachdem bereits Solarpanele angebracht wurden (interessantes Video hier).

Kurz vorher konnten einige Funkamateure und Radioenthusiasten noch einmal einen Blick in die „Rundfunksendestelle Wertachtal“ erhaschen.

(Ein Klick auf das erste Foto und das System der Bilderschau erklärt sich von selbst.)

16 Comments

  • Franz Schanza

    28. Juli 2014 at 17:21

    Hallo.
    Habe mir die Bilddokumentation angesehen. Interessante Aufnahmen.

    Liebe Grüße

    Franz Schanza

  • DC2EH

    31. Juli 2014 at 14:49

    Super, super.
    Haben vom OV vor 35 Jahren mach die KW Station Jülich besichtigt. Eine Ära geht zu Ende.

  • Harald DL1ABJ

    1. August 2014 at 16:43

    Warum nutzen Funkamateure die Antennen nicht vor dem Abriss noch für den Amateurfunkbetrieb?

    Mit einer solchen Aktion könnte man dieser beeindruckenden technische Anlage noch einmal zu weltweiter Bekanntheit verhelfen – zumindest bei allen, die sich für Kurzwelle interessieren.

    Interessant wäre es auch, seinen Kurzwellenempfänger einmal an die Antennen zu halten. Denn jede Sendeantenne funktioniert auch prächtig als Empfangsantenne 🙂 Aber vermutlich sind die Empfangsstörungen von den Solaranlagen auf dem Gelände immens….

    vy 73
    Harald

  • Rainer

    13. August 2014 at 18:00

    Nun denn, wenn man im Jahr EUR 200.000 – 300.000 für den Unterhalt der Anlage
    zur Verfügung hat, könnte man sie gerne als Funkamateur nutzen. Diese
    Kosten entstehen für Grundsteuer, 2-jährige TÜV-Überprüfung der Masten
    und die laufende Flugsicherungs-Befeuerung die rund 20 kW verschlingt.
    Dazu kommen Heizkosten von rund 20000 EUR pro Jahr um die Gebäude
    frostfrei zu halten. Da ich leider kein Multimillionär bin, kann ich das nicht
    stemmen. Aber vielleicht gibt es ja unter uns Funkamateuren Multimilionäre
    die das bezahlen könnten ???

    vy 73 Rainer DF2NU

  • Konrad Kuhn

    1. September 2014 at 22:58

    Mir tut’s im Herze weh!
    Als Ettringer bin ich mit dem Sender aufgewachsen, als Postler noch dazu. Einmal, vor gut zehn Jahren hab ich ihn auch kurz besichtigen können. Alleine das Design des Gebäudes ist ja schon herrlich. Man hätte einen James Bond-Film darin drehen können. All die Geschichten über Radiosendungen aus dem Plattenspieler oder der Türsprechanlage, den verrückt spielenden Elektrikanlagen von Mähdreschern, Greifvögeln mit verbrannten Füßen, Mastkletterwettbewerbe und vieles mehr.

    Besteht die Möglicheit, die Fotogalerie auch in größerer Auflösung zu bekommen? Ich würde sie sehr gerne als Erinnerung behalten.

    Und vielen Dank für den Bericht!
    Konrad Kuhn

  • Wolfgang Heuer

    17. September 2014 at 22:36

    Was haben die heutigen Entscheidungsträger nur für eine Denke?

    Bis Ende 2015 ist die AM-Ära beendet, bis 2015 die FM-Ära. Dann wandern viele Hundert Millionen Radios in Deutschland in den Sondermüll.
    Im letzten Urlaub konnte ich in S.O.-Asien keinen deutschen KW-Sender mehr empfangen. Trostreiche Worte der DW: es gibt doch Internet… kein Kommentar.
    Mal sehen, wie die DAB-Versorgung in bergigem Umfeld funktioniert usw. usw.
    Fazit: ich bin total frustiert!

    W. Heuer

  • Peter Jenus

    23. Oktober 2014 at 22:36

    Grüss Euch aus München,
    ich war es der den letzten Besuchstermin am 23.7.2014 organisiert hat.
    Seit 6.10.2014 werden die Antennenwände herabgelassen und die
    Bodeninstallationen zerstört und verschrottet.
    Bis zum 18.10.2014 waren der West- und der Südarm bis auf die Masten
    abgetragen. Den Fortgang des Abrisses habe ich mit der Kamera dokumentiert,
    wer an den Bildern interessiert ist kann sie gern von mir haben….es tut weh !!
    Warscheinlich werden die 70 Masten noch im November gesprengt, bis auf den
    Nordarm sind alle Masten kahl……4500 t Stahl fallen dann….
    Ein trauriger treuer weltweiter DW-Hörer…….PETER JENUS DJ8XW

  • Alexander Dahms

    25. Oktober 2014 at 19:53

    Hallo,
    wer kann die schönen großen Senderöhren vor dem Verschrotten bewahren, oder die anderen Sender-Teile. Die gehören doch in ein Museum (z.B. Königs Wusterhausen) bei Berlin hat ein super Museum die haben auch Platz für große Sender und diese tolle Röhren.

    Ein würdigen Platz für die Nachwelt, braucht auch diese Technik denke ich, oder?

    Schade um die schöne Technik. Schade, schade, schade.

    Ich hoffe, das nicht alles zerstört wird.

    Danke
    A. Dahms

  • Ulrich Rößler

    27. Oktober 2014 at 15:32

    Hallo Herr Jenus,

    mich würden die Bilder interessieren. Geht das per Mail oder sind das zu viele?

    meine Mailadresse: u.roessler@ubea.de

    danke im Voraus!

    Ulrich Rößler

  • Ulrich Rößler

    28. Oktober 2014 at 18:46

    Hallo zusammen,

    habe gestern abend (19:30 Uhr) einen Abstecher richtung Sender gemacht. Die Flugsicherungsbeleuchtung des Nordarmes ist noch komplett an, und ich konnte auch die Antennenwände sehen. Beim Südarm leuchten (vom Zentralgebäude aus gesehen) noch die ersten fünf Masten, danach ist ein längerer Bereich dunkel (schon umgelegt??), dann zum Schluß am Südende nochmal zwei niedrigere Masten mit Beleuchtung. Vom Westarm leuchtet (und steht??) nur noch der erste Mast am Zentralgebäude. Der Trafo am Nordarm, an dem die Freileitung endet, brummt noch. Im Zentralbebäude brannte Licht, und auch die Straßenlampen um das Hauptgebäude und am Südarm waren an. Links neben dem Haupttor steht ein Wohnwagen; vermutlich wohnen dort einige Leute vom Rückbauteam.

    Schade; in ein par Wochen wird vermutlich alles (bis auf die Gebäude in der Mitte??) weg sein.
    Besonders in der Abenddämmerung und nachts sah die Anlage sehr imposant aus.

    Bin ja gespannt, was nach dem Jahreswechsel mit den LW-Sendern Aholming und Donebach passieren wird. Der Deutschlandfunk will ja zum 31.12.14 seine Präsenz auf LW beenden.
    Was mich gewundert hat: Aholming war seit 06.10. bis 25.10. wegen Überprüfung der Masten und Pardunen abgeschaltet…hätte man sich doch eigentlich sparen können?!? oder wollte man vielleicht „Testen“, wie die Reaktion der Hörer auf die Abschaltung ausfällt?? Ich denke, dass die Media Broadcast die LW-Sender nicht anderweitig an den Mann bringen wird, und nach spätestens einem Jahr auch der Abbruch folgt (spätestens zum nächsten Prüftermin)..

    Grüße

    Uli

  • domino2014

    28. Oktober 2014 at 22:57

    Hallo Herr Jenus,

    Auch ich bin an den Bildern sehr interessiert.

    Kontaktaufnahme sehr gerne per E-Mail über i.c.e.p.e.a.k@web.de

    Grüße,
    domino2014

  • Oliver Haase

    30. Oktober 2014 at 21:17

    Hallo Herr Peter Jenus.

    Auch ich bin sehr an den Bildern sehr interessiert.

    Kontaktaufnahme sehr gerne per E-Mail über oliver-haase@t-online.de

    Mit freundlichen Grüßen

    Oliver Haase

  • DO1MDE Mike

    6. November 2014 at 17:10

    Ich bin ebenfalls recht enttäuscht daß man so ein Bauwerk nicht der Nachwelt erhält – zudem jedes Plumpsklo in Deutschland den Titel „Weltkulturerbe“ erhält und bis zum abwinken gesponsort wird. Zudem steckt unser Staat jedem Handaufhalter bergeweise Geld in den Hintern – und wenn ich schon das jährliche Buch der Steuerverschwendungen anschaue könnte ich kotzen.
    Wenn es dann um den Erhalt eines Stückes echter Radiogeschichte geht macht man schneller den Geldbeutel zu als man gucken kann….

    Gottseidank habe ich mir noch an die 120 Fotos gesichert die für mich einen großen Erinnerungswert haben. Ich habe ebenfalls im Laufe der vergangenen 14 Jahre einige Führungen organisiert und einige auch so nebenbei mitgemacht – und es war jedesmal ein Erlebnis sich die Technik aus der Nähe ansehen zu dürfen. Wie „geil“ war das, vor so einer dicken Endstufe zu stehen wenn das Ding in Betrieb war und richtig „Dampf“ gemacht hatte….

    Wie gesagt – ich habe mengenweise Fotos von den Antennenanlagen – nicht vom Innenraum oder so – nur draußen von den Antennenmasten und auch Detailaufnahmen der Speisepunkte, Antennenschalter, teils Aufnahmen während der „blauen Stunde“……
    Wenn ich das Ganze mal alles in einem Ordner zusammengestellt habe könnte ich DVDs brennen und dann eventuell interessierten Leuten zusenden.

    73 Mike
    DO1MDE

  • Dr.W.Ostwald

    22. November 2014 at 08:11

    Sehr schöne Bilder ! Leider bald nur noch Zeitzeugen.
    Ich hätte das gerne selbst einmal gesehen, es ist leider etwas weit weg.
    Wir verlieren dabei technische Vorbilder, zumindest als Funkamateure, die damit groß geworden sind. Für die später Geborenen hat das möglicherweise nicht die Bedeutung die wir den Dingen zumessen. Es sind halb politisch, halb pekuniäre Überlegungen, einen solchen Standort zu schleifen.
    Auch werden da manchmal Fehler gemacht, man kennt das ja. Die Frage, wo das ganze tolle Material hinwandert, sollte nachdrücklich gestellt werden. Echte Schatzkisten für den noch bastelnden Funkamateur ! Also bewahren wir die Erinnerung und führen wir die Tradition weiter.
    73 de wolf df2py

  • Mike DO1MDE

    10. März 2016 at 16:06

    Zitat:

    „“ Aber vielleicht gibt es ja unter uns Funkamateuren Multimilionäre
    die das bezahlen könnten ???““

    In einem Zeitalter in dem jede Klospülung als Weltkulturerbe eingestuft wird wäre es sicher auch angebracht, ein grandioses Stück Radiogeschichte für die Nachwelt zu erhalten. Für jeden Kram hat man genügend Geld – und ausgerechnet für so etwas nicht?

  • Peter Jenus

    20. Mai 2018 at 20:48

    Hier meldet sich nochmal PETER JENUS DJ8XW, der die letzte Besichtigung 2014 organisiert hat.
    Heute,im Mai 2018 ist es nun 4 Jahre her das der drittgrösste KW- Sender der Welt abgerissen und verschrottet wurde. Der Abriss hat 2 Jahre gedauert und schätzungsweise 2 Mio.Euro gekostet.
    Der letzte Eigentümer war nicht die MEDIA BROADCAST sondern die französische TDF.
    Um evtl. Sendeaufträge über die eigene Station ISSUODUN zu verkaufen musste das Wertachtal sterben !
    Nach dem Rückzug der DW wurden noch 14 Mio. Euro an die Media Broadcast gezahlt um aus dem
    20-Jahresvertrag herauszukommen….dann verkaufte MB die gesamte Anlage an TDF die sie dann
    verschrottete !
    Selbst die 12m tiefen Mastfundamente ( pro Mast 4 Stck. Stahlbeton armiert ) wurden unter grossem Aufwand bis 3m unter der Oberfläche ausgegraben. Die Masten hatten 18 mm starke Trägerteile und
    wogen mehr als 4500 to. Heute sind die 200 Hektar kahl bis auf das leere Sendergebäude welches
    langsam zerfällt. Es sind weitere Solaranlagen dazugebaut worden und der Strom fliesst über die
    einstige HV-Zuführung ab.
    Nichts erinnert mehr an die 3 Antennenwände von 2,8 km Länge, nur der kilometerlange
    Zaun steht noch und die Strassenbezeichnug : SENDERSTRASSE .
    Deutschlands Stimme in die Welt ist für immer verstummt……heute würde man anders entscheiden !
    Zu spät……nur Erinnerungen bleiben.
    München im Mai 2018….PETER JENUS DJ8XW