Rotstift angesetzt: BBC, ORF und Stimme Amerikas reduzieren Radioprogramme auf Kurzwelle

Funkhaus der BBC
Funkhaus des BBC World Service in London.

In diesen Tagen schmilzt witterungsbedingt der Schnee – ähnlich langsam, aber stetig schmelzen und verschwinden auch zahlreiche Sendungen auf Kurzwelle. Dieser, in Zeiten von Smartphones und Satellitensignalen, durchaus antiquiert anmutender Verbreitungsweg stellt für viele Menschen jedoch weiterhin eine robuste und vielfältige Informationsquelle dar. Gerade in Krisenregionen und ärmeren Landstrichen der Erde hat die Kurzwelle weiterhin ihre Hörer. Die Sendestunden internationaler Rundfunkanstalten nahmen in den vergangenen Jahren jedoch stetig ab.

Der US-Amerikanische Auslandsrundfunk, die Voice of America (VoA), sieht sich bereits seit Jahren diversen Sparprogrammen ausgesetzt. Die VoA wolle sich ab diesem Wochenende in einigen Zielgebieten auf einzelne, wenige Verbreitungswege konzentrieren und die Kurzwellensendungen dort beenden, wo inzwischen andere Empfangswege verfügbar seien. Auf diese Weise seien die zur Verwendung bereitstehenden finanziellen Mittel besser verteilt und Einsparungen im Personalbereich abgewendet, heißt es in einer Pressemitteilung. „Gekürzt“ würden etwa die Kurz- und Mittelwellensendungen nach Albanien, Georgien, Lateinamerika und in den Iran. Besonders die Entscheidung, den Iran künftig auf anderen Verbreitungswegen zu erreichen, überrascht. Schließlich kommt es gerade dort häufig zu Störungen von internationalen Satellitensendern und Zensur im Internet, während die Kurzwellensendungen meist ungehindert empfangen werden können. Ebenfalls reduziert würden die englischsprachigen Sendungen für den Mittleren Osten und Afghanistan. Ebenfalls reduziert werden Programme für Asien in Länder, in denen häufig kein Zugang zu unabhängigen Medien möglichist (u.a. China, Vietnam).

Auch der britische BBC World Service verabschiedet sich nach und nach von der Kurzwelle. So würden ab Sonntag täglich nur noch 6 Stunden Programm in englischer Sprache auf diesem Frequenzbereich gesendet, während die Ausstrahlungen via Internet, Satellit und auf UKW-Partnerstationen unverändert weiterlaufen würden. Die arabischen Sendungen aus London würden künftig ganz auf die Kurzwellenverbreitung verzichten, der geschätzte Hörerverlust wird von der BBC auf rund 800.000 beziffert.

Auch wenn die Kurzwellenverbreitung in Staaten mit gut ausgebauten UKW- und DAB-Sendernetzen sowie schneller Internetverbindung nicht mehr zeitgemäß erscheinen mag, hat sie in vielen Ländern weiterhin ihre Anhänger. So gingen bei der Deutschen Welle nach Schließung des deutschsprachigen Kurzwellenprogramms Ende 2011 zahlreiche Beschwerden von Hörerinnen und Hörern aus dem Ausland ein, die keine anderen Möglichkeiten hatten, um deutschsprachige Nachrichten zu empfangen. Fakt ist jedoch, dass die Kurzwelle häufig als teures, sperriges Überbleibsel aus Propagandatagen des Kalten Krieges angesehen wird.

Der Österreichische Rundfunk ORF ist jedoch noch auf Kurzwelle vertreten, sparte seinen Auslandsdienst RÖI (Radio Österreich International) jedoch bereits vor geraumer Zeit komplett ein und ersetzte ihn durch Übernahmen aus dem Kulturprogramm Ö1. Doch auch diese Sendungen, die inzwischen auf wenige Ausstrahlungen pro Tag über das Sendezentrum Moosbrunn zusammenschrumpften, werden nun auf ein Minimum reduziert, wie der Journalist Kai Ludwig recherchierte (s. Link unten).

Dass die Kurzwelle weiterhin ihre Berechtigung hat, ist evident. Dass es schwer sein wird, die Wirtschaftlichkeit der Kurzwelle unter Beweis zu stellen, jedoch ebenfalls.

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Weiterführende Informationen:

BBC: New schedule with reduced shortwave transmissions

BBC-Sparplan: Aus für Kurzwellensender auf Zypern

VOA Reducing Radio Frequencies

ORF: Weitere Kürzungen in Moosbrunn (RBB)

– Foto: Neues Funkhaus der BBC in London, Quelle: Wikipedia / Nutzer: keriluamox, Lizenz: cc-by-sa