Russischer Rotstift: Stimme Russlands kürzt Mittelwellensendungen aus Deutschland

Teilansicht der Sendeanlage Wilsdruff

aktualisiert 22.12.2012:

Erst gestern wurden nähere Details zum bevorstehenden Sendeschluss der Stimme Russlands vom Senderstandort Monte Ceneri im Tessin bekannt. Nun ist klar: Der internationale Sender des russischen Staatsrundfunks wird auch bei seinen Sendern aus Deutschland Reduzierungen vornehmen.

Bereits seit vielen Jahren ist die Stimme Russlands über Mittelwellensender in Deutschland zu empfangen und strahlt darüber unter anderem auch ihre deutschsprachigen Sendestrecken aus. Doch die Mittelwellensender sind als „Stromfresser“ bekannt – eine Tatsache, die sich offensichtlich nicht mit bevorstehenden Budgetkürzungen bei der „Voice of Russia“ vereinbaren lässt. Der Treuhänder des Senders in Deutschland geht davon aus, dass es eine „enorme Reduzierungen der Sendestunden über Mittelwelle“ geben wird. Besonders davon betroffen seien die Sendeanlagen Braunschweig-Cremlingen (630 kHz, 100 kW), Wachenbrunn (Thüringen, 1323 kHz, 500 kW) und Wilsdruff (nahe Dresden, 1431 kHz, 250 kW).

Eine verbindliche Entscheidung sei hierzu zwar noch nicht getroffen, dennoch sei durchaus davon auszugehen, dass diese Kürzungen tatsächlich durchgeführt werden würden. Eine Ausstrahlung über DAB+ in Deutschland sei im Gespräch, jedoch noch keine beschlossene Sache.

Offenbar von diesen Sparplänen nicht betroffen sind die Sendungen über die Mittelwelle Zehlendorf nahe Berlin, die auf 693 kHz mit einer Sendeleistung von 250 kW betrieben wird. Darüberhinaus ist die Stimme Russlands auf Kurzwelle, sowie im Internet und auf Satellit empfangbar.

Aktualisierung: Die Stimme Russlands gibt ihren neuen Sendeplan bekannt. Bis auf 693 kHz werden offensichtlich zum 1.1.2013 alle Sendungen über Mittelwelle eingestellt. Auch zahlreiche analoge Kurzwellen fallen dem Rotstift zum Opfer. Nähere Details unter http://german.ruvr.ru/radio_broadcast/4007478/98682087.html (Linktipp via Kai Ludwig in DXLD)

9 Comments

  • Heinrich

    31. Oktober 2012 at 12:41

    Ich befürchte, dass auch mit Kurzwelle bald Schluss sein wird. Die AM-Sender in Samara und Bolshakovo (mit Verlaub) pfeifen aus dem letzten Loch (Brumm und Surren auf der Modulation, ständige Tonausfälle). Sobald einer dieser Sender endgültig defekt sein wird, ist das Aus besiegelt.
    Immerhin wurde ja das DRM-Angebot (erstaunlicherweise) wieder etwas aufgefrischt.
    Was mich etwas wundert, ist, dass VOR in Deutschland auf DAB+ setzt. Hierzulande schafft man es ja nicht mal, alle ARD-Sender auf einen Bundesmux zu bringen. Da müssen wohl noch einige Rubel an Argumenten fließen, bis man VOR auf einen DAB-Mux draufpackt.
    Ich verstehe ja, dass man einige schwächere, Europa schlecht ausleuchtende MW-Sender aufgibt, die bisher meist vergebens gegen Gleichkanalstörungen angekämpft haben. Dass man sich aber von den Platzhirschen Wachenbrunn und Dresden trennen will, kann ich gar nicht glauben.

  • DXaktuell

    31. Oktober 2012 at 12:44

    Eine DAB-Ausstrahlung wird zunächst nur „angedacht“, d.h. es ist, wie im Artikel beschrieben, keine beschlossene Entscheidung. Jedoch sollte man auch bedenken, dass die VOR einige Jahre bereits in Berlin/Brandenburg auf DAB zu hören war. Übrigens ist es rechtlich und technisch nicht möglich, alle ARD-Sender auf einen bundesweiten Multiplex auszustrahlen.
    Eine komplette Abschaltung der MW-Sender der VOR wurde ebenfalls nicht beschrieben, „nur“ eine deutliche Verringerung des Sendebetriebs.

  • klani

    31. Oktober 2012 at 15:55

    Mit 250 kW wird aus Wilsdruff schon lange nicht mehr gesendet, ich glaube z.Zt. nur mit 20 kW. Es wäre aber schade (schon wegen der weithin sichtbaren Antenne!),wenn der Wilsdruffer Sender ganz stillgelegt werden würde.

  • Heinrich

    31. Oktober 2012 at 16:43

    Wenn dort nur 20 kW verwendet wurden, dann sprechen Antenne und Standort für sich. Hier im Donautal gehört 1431 kHz abends zu den stärksten Stationen auf Mittelwelle überhaupt und kann auch tagsüber mit gutem Signal glänzen.
    Wachenbrunn wird in einigen Datenbanken auch mit 800 kW und sogar mit 1000 kW geführt. Was bei den Sendern tatsächlich Sache ist, wissen wohl nur Insider.

    Im übrigen sehe ich im Gegensatz zu DXaktuell kein technisches Hindernis, alle ARD-Radios auf DAB+ anzubieten. Auf meinem DAB-Radio sind 95% aller Kanäle leer. Kapazität ist genug vorhanden, andere Hindernisse mögen existieren. Aber das ist ein anderes Thema. Eine Abstrahlung von VOR im Brandenburg-DAB hilft den Hörern in ganz Europa allerdings wenig.

  • klani

    1. November 2012 at 17:31

    Ja, wahrscheinlich sind 20 kW für Wilsdruff 1431 khz zu niedrig von mir eingeschätzt. Meine Vermutung resultiert daraus, weil 1044 khz (MDR info mit angegebenen 20 kW) hier bei mir (südöstliches Dresden)ein wesentlich stärkeres Signal als 1431 khz bringt.
    Übrigens fällt seit einigen Tagen auf 1431 khz ab der Dämmerung ein weiterer Sender ein und macht den Empfang der Stimme Rußlands dann fast unbrauchbar. Nach Empfangsbeobachtungen von einem finnischen DXer soll es sich dabei um Radio Ukraine (?) handeln.

  • Heinrich

    1. November 2012 at 18:24

    Das mit dem 2. Sender auf 1431 khz ist leider richtig. Ich musste das in den letzten Tagen zeitweise auch feststellen. Es handelt sich um UR 3 R Kultura aus Mykolaev (da nimmt auch der Radiofan ausnahmsweise mal den Internetstream zum Vergleich her 😉 ) Mit der Loop in Richtung Dresden ist UR 3 allerdings nur mehr schwach zu hören und Dresden zeigt wieder gewohnte Dominanz. Es ist (einige tiefere Fadingperioden ausgenommen) zeitweise nach BR plus auf 801 kHz der zweitstärkste MW-Sender hier.
    Na ja, egal. Es wäre nur schade, wenn in Zukunft wieder ein Signal mehr auf der Skala fehlen würde.

  • Helmut

    9. November 2012 at 11:32

    Die Aufschaltung der Stimme Russlands auf DAB plus erfolgte am 01.11.2011. Die deutsche Redaktion baut dort nach Informationen unmittelbar beteiligter Mitarbeiter eine neues Sendeformat auf. Dort werden dann z. B. die Nachrichten wieder live gelesen, wie vor einigen Jahren Standard war.

    Wo diese Aufschaltung erfolgte und wie es um die Reichweite bestellt ist hat der Sender noch nicht veröffentlicht. Mit dem neuen Programmformat wolle man ab Dezember zu Potte kommen.

    Wahrscheinlich werden weitere Informationen nur scheibchenweise veröffentlicht, weil man einen möglichen politischen Gesichtverlust befürchtet.

  • Kay B.

    26. Dezember 2012 at 19:25

    @ Heinrich

    > Wachenbrunn wird in einigen Datenbanken auch mit 800 kW und sogar mit 1000 kW geführt. Was bei den Sendern tatsächlich Sache ist, wissen wohl nur Insider.

    Da sind meines Wissens zwei Telefunken-Sender mit je 500 KW in Betrieb, die synchron laufen um auf 1000 KW zu kommen.

    Mehr Infos gibt es auch hier:
    http://www.waniewski.de/Besucherstationen/Wachenbrunn%20MW%201323/index.htm

    > Im übrigen sehe ich im Gegensatz zu DXaktuell kein technisches Hindernis, alle ARD-Radios auf DAB+ anzubieten.

    Aber ein rechtliches. Bei der nächsten Gebührenerhöhung kommt dann zu Recht die Frage auf, was z.B. die NDR 1 in Südbayern auf DAB verloren hat.

  • Otto

    26. Januar 2013 at 16:08

    Hallo an Alle Leser,
    das deutsche Programm wird zwischen 10 und 13 Uhr und von 16 bis 20 Uhr über DAB+ im Raum Berlin abgestrahlt . Das Programm heist Radio Impala und es soll auch in Frankfurt / Mai, Nordrhein-Westfalen und in Hessen senden .
    Den Empfang in Berlin kann ich bestätigen .