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In weiten Teilen Deutschlands haben örtliche Rundfunkveranstalter die Mittelwelle bereits verlassen, in den kommenden zwei Jahren wollen zudem Deutschlandradio und alle ARD-Landesrundfunkanstalten, die diesen Frequenzbereich noch nutzen ebenfalls ihre AM-Sendungen beenden.

Sender Moorfleet / Hamburg

NDR-Sendeanlage Moorfleet

Der Norddeutsche Rundfunk gehört zu den Sendern, die noch auf Mittelwelle senden – seit gestern jedoch nicht mehr aus Hamburg-Moorfleet. Wie der NDR heute in einer Presseaussendung mitteilte, ist die Ereigniswelle NDR Info Spezial gegenwärtig nicht auf 972 kHz zu hören. Der Grund für den Ausfall ist ein offenbar durch einen Bagger hervorgerufener Schaden an einem unterirdisch verlegten Kabel, das die Senderanlage mit dem Sendemast verbindet. Der beschädigte Teil des Kabels befindet sich unter einer mehrere Meter dicken Schotterschicht. Zur Vorbereitung der Reparatur seien umfangreiche Erdarbeiten erforderlich, heißt es weiter.

Über DAB+, im Internetstream sowie über Kabel und Satellit ist NDR Info Spezial jedoch weiter zu empfangen. Auch die übrigen Mittelwellen 828 kHz, 792 kHz und 702 kHz sind weiterhin in Betrieb. Wann die Probleme am Mittelwellensender Hamburg beseitigt sein werden, sei noch unklar. Mittelwellen-Spezialisten konnten auf der nun freien Frequenz bereits Sender aus Großbritannien, dem Iran und sogar Südkorea in Europa empfangen.

Sender Hirschlanden / Stuttgart

Sender Hirschlanden / Stuttgart

Länger außer Betrieb, vielleicht sogar für immer, ist seit wenigen Tagen der MW-Sender des amerikanischen Armeerundfunks AFN Europe in Hirschlanden bei Stuttgart. Wie ein AFN offenbar nahestehender Nutzer im Radioforum des Portals ukwtv.de mitteilte, wurde der Vertrag zur Verbreitung des Talkradios AFN Powernet mit dem Sendernetzbetreiber Media Broadcast nicht weiter verlängert. Der Sender Hirschlanden ist der einzige verbliebene Mittelwellensender, der von AFN nicht selbst betrieben wurde, wie etwa der Sender in Heidelberg, der ebenfalls auf der Frequenz 1143 kHz das selbe Programm ausstrahlt. Auf dem Sendeplan stehen u.a. Übernahmen des National Public Radio (NPR), Nachrichten-Eigenproduktionen oder US-Talkshows. Der Sender ist im Raum Stuttgart weiterhin im Internet zu hören. Nicht betroffen von der Abschaltung ist die traditionelle UKW-Frequenz 102,3 MHz, die das Musikprogramm AFN The Eagle überträgt. Jedoch hat AFN in den vergangenen Monaten verschiedene Sendestandorte geschlossen, die mit der Verringerung der Anzahl von US-Soldaten in den jeweiligen Standpunkten und Kosteneinsparungen zusammenhängen. Erst im vergangenen Jahr endete die Verbreitung von AFN Powernet in Frankfurt / Main auf 873 kHz.

Der Sender in Hirschlanden arbeitete für den Zeitraum von 2005 bis 2008 auch auf 738 kHz für das inzwischen eingestellte Countryprogramm Truckradio. Von 2002 bis 2003 war außerdem das ebenfalls nicht mehr existente Jugendprogramm Megaradio von diesem Standort aktiv, weshalb die Antennnanlage um die auf dem Bild sichtbare kreuzförmige Konstruktion erweitert wurde. Über die Zukunft des Senderstandortes mit seiner 40 Meter hohen Antenne wird der Eigentümer des Senders Media Broadcast entscheiden.

Update 14.03.2014: Inzwischen ist der Sender Hamburg-Moorfleet wieder auf Sendung.

 

Weiterführende Informationen:
- Frequenzliste von AFN Europe
- Livestream von AFN Powernet, nicht europaweit abrufbar

 

degerloch-foto

Foto: DXaktuell.de

Der Südwestrundfunk und die Stadt Stuttgart haben sich auf eine Wiedereröffnung des Stuttgarter Fernsehturms verständigt. Grundlage dafür bietet das abschließende ganzheitliche Brandschutzgutachten, das von den Fachbehörden der Landeshauptstadt als insgesamt positiv bewertet wird. Die Umsetzung des Gutachtens ermöglicht die Wiedereröffnung des Fernsehturms für bis zu 320 Personen sowie die Nutzung der Theaterebene. Die Gesamtkosten hierfür liegen nach derzeitigen Kostenermittlungen des SWR bei rund 1,2 Millionen Euro netto. SWR-Intendant Peter Boudgoust und Oberbürgermeister Fritz Kuhn haben am heutigen Freitag, 7. Februar 2014, in Stuttgart die Einigung von SWR und Stadt bekanntgegeben.

SWR-Intendant Peter Boudgoust: “Der Fernsehturm ist ein Wahrzeichen der Stadt und ein Markenzeichen des SWR Fernsehens in Baden-Württemberg. Ich freue mich also umso mehr, dass Stadt und Sender an einem Strang ziehen. Die gute Botschaft heute lautet: Der Fernsehturm kann für Besucher bald wieder geöffnet werden.” Der SWR-Intendant betonte, dass sich durch den komplexen Sachverhalt und die besonderen geometrischen und sendertechnischen Randbedingungen die Bauzeit nur grob schätzen lasse. Gemeinsames Ziel des SWR und der Stadt Stuttgart sei eine Wiedereröffnung Mitte 2015.

OB Fritz Kuhn: “Dies ist ein guter Tag für Stuttgart und alle, denen der Fernsehturm am Herzen liegt. Ich bin erleichtert sagen zu können, dass Stadt und SWR sowohl baulich als auch finanziell den Durchbruch erzielt haben. Der Fernsehturm wird wieder für die Öffentlichkeit öffnen.” Damit werde ein Wunsch vieler Stuttgarterinnen und Stuttgarter in Erfüllung gehen, auch wenn der Umbau noch einige Zeit in Anspruch nehme. “Diesen Wunsch mussten wir in Einklang bringen mit zwingenden Anforderungen des Brandschutzes, um einen sicheren Weg aus dem Turm heraus zu gewährleisten.”

Das abschließende Brandschutzgutachten stellt ein ganzheitliches Konzept dar, das Maßnahmen zur Verbesserung des technischen und baulichen Brandschutzes vorschlägt und zeigt, wie künftig Flucht- und Rettungswege von sämtlichen möglichen Aufenthaltsorten im Turmkorb von Besuchern und Personal bis zum sicheren Ausgang am Turmboden möglich sind. Im Zentrum der vorgeschlagenen Maßnahmen des Sachverständigenbüros Halfkann + Kirchner stehen folgende Punkte:

- Etwaige Zündquellen werden identifiziert und aus dem Turmschaft entfernt. – Die Rauchableitung aus dem Turmschaft wird optimiert. – Die im Turmschaft verlaufenden Hochfrequenzkabel werden kontinuierlich elektronisch überwacht. Zusätzlich werden an diesen Hochfrequenzkabeln in einem Abstand von 1,20 Metern Horizontalschottungen angebracht, um eine vertikale Brandausbreitung über die genannten Segmente hinaus zu verhindern. – Andere Kabel werden durch eine flammhemmende Umkapselung im Verfahren einer Einblasdämmung geschützt. – Darüber hinaus wird ein detaillierter Evakuierungsplan erarbeitet und die Feuerwehrpläne dementsprechend angepasst. Der Aufsichtsrat der SWR Media Services GmbH hat in seiner heutigen Sitzung der Umsetzung des brandschutztechnischen Gesamtgutachtens zugestimmt. Die Umsetzung der Maßnahmen wird von der SWR Media Services GmbH durchgeführt, da sie ausschließlich der Wiederaufnahme der kommerziellen Nutzung des Fernsehturms für Besucher der Stadt Stuttgart dienen.

Die Vereinbarung zwischen Landeshauptstadt Stuttgart und dem SWR sieht vor, dass die Stadt und SWR Media GmbH sich die Kosten der Herstellung des Brandschutzes zu je 50% teilen. Der Finanzierungsbeitrag der Landeshauptstadt in Höhe von 605.000 EUR wird durch einen Verzicht auf die Erbbauzinszahlungen 2014 bis 2026 ermöglicht. Der Gemeinderat muss der Vereinbarung mit dem SWR noch zustimmen. Bereits am Freitagvormittag hatte Oberbürgermeister Kuhn die Spitzen der Gemeinderatsfraktionen informiert. Diese haben einmütig Zustimmung zu diesem Vorgehen signalisiert.

Der Fernsehturm ist aufgrund einer Anordnung der Stadt Stuttgart seit 27. März 2013 für Besucher geschlossen.

Quelle: Pressemitteilung des SWR

Kaum ein Radiosender in Deutschland dürfte über so viele verschiedene Übertragungswege senden, wie das Erlanger Campusradio. Ende 2013 kam für den bit express noch ein weiterer Sendeweg hinzu.

2003 ging bit express auf Sendung, wenig später begann die Ausstrahlung auf der digitalen Kurzwellenfrequenz (DRM) 15896 kHz, auf der man in der Region Erlangen-Nürnberg und bei besonders günstigen Wetterlagen in den unterschiedlichsten Orten der Welt zu hören ist. Später folgte eine Ausstrahlung via DVB-H, über die digitale Mittelwelle 909 kHz vom Sender Dillberg aus. Der Livestream des Senders im Internet lief zu dieser Zeit selbstverständlich schon längst – der wohl gebräuchlichste Übertragungsweg, um die Studenten der Uni Erlangen zu erhalten. Am Standort des Fraunhofer-Instituts wurde dann im Sommer 2012 ein eigener DAB-Sender installiert (Kanal 6A), seit den Lokalrundfunktagen Mitte 2013 sind meist tagsüber die Sendungen auch analog über UKW 87,9 MHz im Raum Erlangen zu hören.

bitexpress Sendeantennen Erlangen

Sendeantennen von bit express.

Nun wechselte der temporäre UKW-Sender in den DRM+-Modus, womit bit express gegenwärtig das einzige in diesem Modus sendende Radioprogramm überhaupt ist. Nach Angaben des Senders sei auf der Frequenz noch nicht das Liveprogramm zu hören, in einem weiteren Schritt wolle man aber auch diese Hürde nehmen.

Tatsächlich empfangen kann diese Sendungen jedoch abgesehen von den Ingenieuren und Radioenthusiasten mit Hang für softwaredefinierte Empfänger jedoch niemand, da im Gegensatz zu DAB+ weltweit bisher keine Empfangsgeräte aus Serienproduktion für DRM+ zur Verfügung stehen. Dennoch sprach sich beispielsweise die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz für diesen Standard aus, Fraunhofer gehört zu den Mitentwicklern dieser Technik, die anders als DAB+ ohne Bouquetzwang daherkommt und besonders für lokale Radiosender geeignet scheint. DRM+ arbeitet z.B. auf den üblichen UKW-Frequenzen, kann jedoch, sofern kein Simulcastmodus benutzt wird, mit herkömmlichen Radiogeräten nur als Rauschen wahrgenommen werden. Auch handelsübliche Digitalradios können ein DRM-Signal nicht wiedergeben.

Getestet wurde DRM+ in Deutschland bisher nur in Berlin anlässlich der IFA, in Hannover und Kaiserslautern. Hinzu kommen Testausstrahlungen u.a. in Großbritannien und Italien. Ob sich dieser Standard im digitalen Radiodschungel noch wird durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Die Zielgruppe des Campusradios in Erlangen wird jedoch wahrscheinlich weiterhin via Internet oder DAB+ zuhören, die DRM-Sendungen behalten Testcharakter. Aber gerade für eines ist ein Hochschulradio ja gut: Zum Ausprobieren.

 

Weiterführende Informationen
Dieser Artikel erschien bereits auf RADIOSZENE, dem Insidermagazin für Radiomacher.Digitaler Radiodschungel: Wo ist das Plus?
Homepage des DRM-Konsortiums in London
Homepage von bit express

Eingang zum Funkhaus des slowakischen Rundfunks.

Eingang zum Funkhaus des slowakischen Rundfunks.

Der slowakische Auslandsrundfunk wird seine Programme in deutscher und französischer Sprache ab Januar regelmäßig über die Sendeanlage in Kall-Krekel in Deutschland ausstrahlen. Dies gab die Sendeanstalt heute bekannt.

Das deutsche Programm von Radio Slowakei International (RSI) wird um 17.00 Uhr MEZ auf den Frequenzen 3985 kHz und 6005 kHz ausgestrahlt, das französische Angebot wird um 19.00 Uhr MEZ auf 3985 kHz zu hören sein.

Parallel sind die Sendungen auch als Podcast und Livestream im Onlineportal Radio360.eu verfügbar, das vom Funkhaus Euskirchen e.V. (Radio 700) betrieben wird. Über die eigenen Sendeanlagen in der Slowakei wird der Auslandssender vermutlich jedoch vorerst nicht wieder auf Sendung gehen. 2010 beendete man die Nutzung dieser Sendestation aus Kostengründen. Das englische und spanische Programm dürfte jedoch weiterhin für Nordamerika über World Radio Miami International auch auf Kurzwelle zu hören sein.

Auch das Projekt “Radio360.eu|Nacht”, das ursprünglich nur bis zum 31. Dezember 2013 angesetzt war, wird nach positiven Reaktionen der Hörerschaft nun bis Ende Januar 2014 fortgeführt. Darin werden Sendungen aus Polen, Tschechien und der Ukraine auf Kurzwelle ausgestrahlt. Nähere Informationen zur Fortführung des Projektes werden zeitnah auf der Homepage und dem Facebook-Account veröffentlicht (s.u.).

Radio Slowakei International wird jedoch auf Deutsch und Französisch künftig nicht mehr über die Satelliten Astra 19.2° Ost und Hotbird 13° Ost empfangbar sein, nachdem das übertragende World Radio Network die entsprechenden Programmkanäle zum Jahresende abschaltet. Betroffen von dieser Einstellung sind neben RSI auch andere Sender, auch das WRN-Podcasting-Angebot wurde geschlossen. Als Reaktion startete Radio360.eu zahlreiche neue Podcasts, vornehmlich in englischer Sprache, die die deutschen Angebote ergänzen sollen.

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Weiterführende Informationen
- Start der “Radio360.eu|Nacht”
- Homepage des Projektes und Podcasting-Portals
- Facebook-Seite von “Radio360.eu”
- Homepage von Radio Slowakei International

Sendeantennen für Kurzwelle in Kall-Krekel.

Sendeantennen für Kurzwelle in Kall-Krekel. Foto: Radio 700

mit Aktualisierung vom 21.10.2013

Die Auslandssendungen in deutscher Sprache von Radio Prag, Radio Slowakei International und dem Auslandsdienst des polnischen Rundfunks werden ab 1. November 2013 wieder über die traditionelle Kurzwelle zu empfangen sein. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem Funkhaus Euskirchen, das die Podcasting-Plattform Radio360.eu betreibt.

Die Sendungen der drei öffentlich-rechtlichen Programmanbieter sind seit einigen Jahren nicht mehr über Kurzwelle zu empfangen, was zu Protesten seitens der Hörerschaft führte. Einige Sender taten sich zudem mit der Entwicklung geeigneter Onlineportale zur Verbreitung der täglich produzierten Programme schwer, sodass die Hörerzahlen sanken, wie aus entsprechenden Äußerungen der Redaktionen hervorgeht.

Das neue Projekt “Radio360.eu-Nacht” nutzt den Kurzwellensender Kall-Krekel in der Eifel, der sonst Radio 700 ausstrahlt – sowie einzelne andere Programme, die sich über den Radio 700 Kurzwellendienst eingemietet haben. Nach folgendem Sendeplan gliedert sich nun die neue Sendestrecke am Abend:

20.30 Uhr: Radio Slowakei International
21.00 Uhr: Radio Prag
21.30 Uhr: Auslandsdienst des polnischen Rundfunk

22.00 Uhr: Radio Ukraine International

(Angaben in MEZ)

In den vergangenen Wochen waren zudem Gerüchte im Umlauf, Radio Slowakei International plane, seine eigenen Kurzwellensender ab 2014 wieder zu nutzen. Ein Mitarbeiter des Senders betonte jedoch, dabei handle es sich tatsächlich nur um Gedankenspiele, die aufgrund der schlechten Finanzlage des Senders höchstwahrscheinlich nicht realisiert werden können.

Zeitgleich werden die deutschsprachigen Sendungen der “Radio360.eu-Nacht” auch über einen Livestream übertragen, der demnächst unter www.radio360.eu/nacht zur Verfügung stehen soll, heißt es aus dem Funkhaus Euskirchen. Eine Erweiterung des Projekts um zusätzliche Auslandsdienste sei nicht ausgeschlossen, heißt es. Jedoch ist die “Radio360.eu-Nacht” vorerst als Versuchsprojekt bis zum 31.12.2013 geplant. Alle Hörerinnen und Hörer seien eingeladen, ihre Kommentare und Meinungen zu dem Projekt und den ausgestrahlten Beiträgen an die teilnehmenden Sender und Radio360.eu zu schicken. Testsendungen könnten bereits einige Tage vor dem offiziellen Start beobachtet werden.

Alle Sendungen werden zudem online als Podcast zur Verfügung gestellt.

Aktualisierung: Nach neuesten Informationen wird auch das deutsche Programm von “Radio Ukraine International” ausgestrahlt.

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Weiterführende Informationen:

Podcasting-Portal www.radio360.eu

Homepage des “Kurzwellendienstes”

Radio Prag, Auslandsdienst aus Polen, Radio Slowakei International

Sendemasten in Zehlendorf

Der russische Rotstift wird auch in Deutschland angesetzt: Nachdem bereits zum Jahreswechsel 2012/2013 zahlreiche vom russischen Auslandsrundfunk genutzte Mittelwellensender in Deutschland abgeschaltet wurden, fällt auch die letzte, analog-terrestrische Präsenz der Stimme Russlands in Deutschland.

Die Mittelwellenfrequenz 693 kHz mit ihrem Sender in Zehlendorf nahe Oranienburg verblieb nach den Einstellungen im vergangenen Winter als einzige “russische” Welle. Sie wird für 13 Stunden täglich mit Programmen auf Deutsch (11.00-14.00 und 17.00 bis 21.00 Uhr) und Russisch (8.00-11.00 und 21.00-23.00 Uhr MESZ) belegt. Empfangbar ist diese Ausstrahlung zuverlässig in Berlin, Brandenburg und angrenzenden Gebieten.

Nachdem die Stimme Russlands einen drastischen Sparkurs ankündigte, bei dem bis auf wenige Ausnahmen alle Kurz-, Mittel- und Langwellensendungen gestrichen werden sollen (DXaktuell.de berichtete), wurde bekannt, dass auch mit einem Weiterbetrieb der Frequenz 693 kHz “ab 31.12.2013 nicht mehr zu rechnen ist”. Dies sei sogar unabhängig der aktuell öffentlich gewordenen Sparpläne beschlossen worden, die möglicherweise noch gar nicht in allen Einzelheiten abgeklärt seien. Der russische Auslandssender wolle sich verstärkt auf lokale Partnersender auf UKW und DAB+ konzentrieren, gerade letztgenannter Übertragungsweg stoße auf großes Interesse.

Sendemast in Zehlendorf

Einer der Sendemasten in Zehlendorf

Die Einstellung dieser Übertragung markiert auch für den 1958 in Betrieb genommenen Sender Zehlendorf (s. Foto) ein neues Kapitel, endet doch damit die Mittelwelleära in Oranienburg. Die Stimme Russlands war bis vor wenigen Jahren sogar auf zwei Frequenzen präsent (zur teils im analog/digitalen Mischbetrieb gefahrenen 693 kHz zusätzlich auch auf 603 kHz, später zwischenzeitlich durch OldieStar Radio übernommen). Neben Ausstrahlungen auf fünf UKW-Frequenzen (u.a. RBB Antenne Brandenburg sowie mehrere Privatsender) beherbergt dieser Standort auch den Langwellensender 177 kHz. Er wurde einst für die Stimme der DDR, später für Radio Aktuell und den Deutschlandsender sowie schließlich für Deutschlandradio Kultur genutzt. Spätestens Ende 2014 soll jedoch auch dieser Sender abgeschaltet werden, sofern es nach den Planungen der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) geht.

Dass der gesamte Sendestandort mit seinen fünf Sendemasten erhalten wird, erscheint unwahrscheinlich, ebenso wie die Nachnutzung durch einen anderen Programmanbieter. Kurzzeitig wurde aus Zehlendorf auch das Programm des inzwischen insolventen Privatsenders Megaradio (nicht zu verwechseln mit dem heute in Bayern und Berlin auf DAB+ aktiven Mega Radio) ausgesendet. Der chinesische Auslandsrundfunk CRI soll kurzzeitig Interesse an der Frequenz 603 kHz gehabt haben, es kam jedoch nie zu einer offiziellen Lizensierung durch die Landesmedienanstalt mabb.

Dramatisch und kurios in der Geschichte des Sendestandorts gestaltete sich der Neubau des 351 Meter hohen Langwellen-Sendemastes. 1978 wurde eines seiner Abspannseile durch ein abstürzendes sowjetisches Militärflugzeug beschädigt, wodurch ein Teil des Gittermastes einknickte. Da die Maschine in diesem Gebiet nicht auf der entsprechenden Höhe hätte fliegen dürfen, entschloss sich die Sowjetunion zu einem Mastneubau auf ihre Kosten. Dieser sollte bereits bis 1979 erledigt sein, zu schnell für die damaligen DDR-Sicherheitsvorkehrungen. Um diese umgehen zu können, wurde das Gebiet rund um den Sendemast kurzerhand zu sowjetischem Hoheitsgebiet erklärt (!) und der Mast entsprechend rasch errichtet – mit 359,7 Metern wurde er sogar höher als das Original¹. Noch heute ist er für das Deutschlandradio Kultur in Betrieb.

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Weiterführende Informationen:

Geschichte des Langwellensenders 177 kHz
Fotos der Sendeanlage Zehlendorf

Stimme Russlands schaltet deutsche MW-Sender ab

[1] Quelle: “Rundfunkssendeanlagen”, Lutz, Harald, Verlag für Technik und Handwerk 2005, S. 65f.

Sendeanlage Fontbonne

Sendeanlage Fontbonne

Die Abschaltung zahlreicher Sender auf Mittel- und Kurzwelle betrifft nicht nur die “klassischen” Rundfunkhörer: Auch Skipper und andere Seeleute nutzen Sender wie NDR Info Spezial oder den Deutschlandfunk auf Mittelwelle, um aktuelle Informationen zum Seewetter und nautische Warnnachrichten zu erhalten.

Wie das Segelsportmagazin Yacht in seinem Onlineportal berichtet, sind viele Hörer dieser Seewetterberichte bestürzt darüber, dass die ARD-Anstalten und das Deutschlandradio beabsichtigen, ihre Mittelwellensender Ende 2014 abzuschalten, da somit eine robuste und einfach zu nutztende Informationsquelle verloren ginge. Das Seewetter wird etwa über den Sender Ehndorf nahe Neumünster (1269 kHz) im Programm des Deutschlandfunks übertragen. Zugunsten der Entwicklung von Digitalradio DAB+ wurden die Rundfunkanstalten aus finanziellen Gründen zur Abschaltung dieser Übertragungswege angehalten. “Yacht” veröffentlichte eine Auswahl von Leserbriefen zu diesem Thema, von denen die meisten sich kritisch mit der Abschaltung auseinandersetzen. Es gibt jedoch keine repräsentativen Zahlen darüber, inwiefern die Mittelwelle tatsächlich noch genutzt wird.

Wie das Unternehmen DPØ7 Seefunk dem Fachmagazin für internationalen Rundfunk “Radio-Kurier” mitteilte, hofft man, künftig die Sendeanlagen der Küstenfunkstelle Monaco Radio in Fontbonne (Frankreich, nahe Monte Carlo) nutzen zu können. Entsprechenden Testsendungen im Juni und Juli mit Wettermeldungen für das Mittelmeer auf Deutsch verliefen erfolgreich, so der Betreiber. Monaco Radio richtet sich üblicherweise nur an Seefahrer in englischer und französischer Sprache. DPØ7 Seefunk mit Sitz in Hamburg gedenkt auch für Nord- und Ostsee auf Kurzwelle zu senden. Einen ähnlichen Dienst auf UKW-Sprechfunk unterhält man bereits seit einiger Zeit. Damit könnte auf diesem Wege ein Ersatz für die Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender entstehen, deren Seewetterberichte künftig dann nur mit Internetzugang, in den Küstenbereichen via DAB+ oder Satellit empfangbar sind. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterhält darüber hinaus in Pinneberg nahe Hamburg eine Sendestation für Ausstrahlungen von Wetterkarten via Kurzwelle, Funkfernschreiben und NAVTEX-Meldungen, die mit entsprechenden Endgeräten dekodiert werden können.

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Weiterführende Informationen:

- Fotogalerie Sendeanlagen in Fontbonne

- Homepage DPØ7 Seefunk

- Homepage Monaco Radio

- Reaktionen der Yacht-Leser (Link übermittelt via A-DX-Mailingliste)