Der PULS schlägt in Bayern

BR PULS und Funkhaus MünchenKein neuer „Hitdudler“ will es sein, aber auch kein zu „nerdiges Indie-Programm“ – das neue Jugendradio des Bayerischen Rundfunks. PULS ist der Name der neuen Welle, die vor einer Woche auf Sendung ging und die Marke „on3“ ablöste, die bisher die trimedialen, jungen Angebote des BR vereinte. Nun steht PULS über verschiedenen TV-Sendungen im Bayerischen Fernsehen, auf BR alpha und EinsPlus, einem Onlineportal, einer Smartphone-App und natürlich dem Radiokanal PULS.

Zu hören ist das neue Programm ganztägig per Satellit Astra 19.2° Ost, im Internet unter www.deinpuls.de, im Kabel und bayernweit im Digitalradio DAB+ (Kanal 12D). Im Gegensatz zum Vorgänger on3-Radio hat PULS zudem ein eigenes Fenster auf Bayern 3 bekommen – und ist somit jeden Freitag von 22 bis 5 Uhr auch auf UKW zu hören.

Der VPRT (Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.) kündigte indes an, er würde die Entwicklung von PULS genau beobachten und spricht von „Trimedialität als Ausbaustrategie im ARD-Radio“. Auch Das Ding, die junge Welle des SWR, sei einst als „multimedialer Testversuch“ gestartet und nun auf dem besten Weg, „ganz offiziell als Programm beauftragt“ zu werden, so der VPRT in einer Pressemitteilung.

Fest steht jedoch auch, dass der BR bisher abseits seiner Service- und Popwelle Bayern 3 nur wenige Angebote für eine junge Zielgruppe im Hörfunk produziert hat. Der Start von PULS war daher keine schlechte Entscheidung. Darüberhinaus kann es als Anreiz zum Kauf eines digitalen Radios (DAB+) fungieren, was ebenfalls den digital sendenden Privatprogrammen zugute käme.

Ob das Programm auch bei den Hörerinnen und Hörern gut ankommt – nicht nur technischer, sondern inhaltlicher Natur, werden die kommenden Monate zeigen. Bessere Chancen als on3-Radio hat es auf jeden Fall.

 

Foto: Funkhaus des Bayerischen Rundfunk in München. Logoquelle: BR.

MDR: Mittelwellenverbreitung eingestellt

Teil der Sendeanlage Wilsdruff
Teilansicht der Sendeanlage Wilsdruff

Am 30. April um sechs Uhr morgens verabschiedete sich der Mitteldeutsche Rundfunk von seinen Mittelwellensendern. Konkret handelte es sich dabei um die Sendestationen in Leipzig-Wiederau (783 kHz, 100 Kilowatt), Dresden / Wilsdruff (1044 kHz, 20 Kilowatt) und Reichenbach / Oberlausitz (1188 kHz, 3 Kilowatt), die seit diesem Zeitpunkt nicht mehr das Programm MDR Info, sondern eine Hinweisschleife, die auf den alternativen Empfangsweg Digitalradio DAB+ hinweist, während die Übertragung auf UKW unerwähnt bleibt.

Die Sendeanlagen werden vermutlich in den Morgenstunden des kommenden Montags durch den Betreiber Media Broadcast endgültig abgeschaltet. Ob eine Nachnutzung erfolgen wird, ist gegenwärtig noch ungewiss.

Der MDR baut derzeit sein Digitalradio-Sendernetz aus. Über diesen Verbreitungsweg sind neben dem Nachrichtenradio MDR Info auch alle anderen regionalen, öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramme sowie auch private Kanäle zu hören. In Sachsen wird zudem die Ereigniswelle „MDR Sachsen extra“ verbreitet, die Plenardebatten aus dem sächsischen Landtag präsentiert.

Audio: regulär eingestreuter Hinweis zur bevorstehenden Abschaltung und Umschaltung auf die Schleife (30. April 2013)

Audio: Kurioser Mitschnitt: MDR 1 Sachsen-Anhalt auf den Mittelwellenfrequenzen aufgrund einer Bombenentschärfung in Nähe des MDR-Info-Studios (Oktober 2011)

Hessischer Rundfunk reduziert UKW-Verbreitung

HR2-LogoDiese Nachricht überrascht – und läutet eine stressige Zeit für den Hörerservice im Funkhaus Frankfurt / Main ein: Der Hessische Rundfunk wird einige seiner UKW-Frequenzen „umwidmen“, wie es in einer Nachricht an die Hörerinnen und Hörer auf der Homepage der Kulturwelle HR 2 heißt. Demnach wurden die Frequenzen 95,3, 102,3, 99,6 und 95,0 MHz heute gegen 14.00 Uhr abgeschaltet. Sie strahlen ab morgen früh die Programme HR-Info und das Popradio You-FM aus.

Der Empfang der Klassik- und Kulturwelle hr2-kultur ist damit in einzelnen Regionen Hessens nur noch eingeschränkt möglich. Jedoch gedenkt der Hessische Rundfunk sein Digitalradio-Sendernetz (DAB+) auszubauen, sodass hr2-kultur mit digitalen Empfangsgeräten weiterhin in ganz Hessen terrestrisch empfangen werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit, das Programm über Internet, Satellit und Kabel zu hören. hr2-kultur verfügt jedoch weiterhin über einige weit reichende UKW-Sender.

Dieser Schritt ist dennoch insofern besonders beachtlich, als dass er erst äußerst kurzfristig, nämlich erst am Morgen bzw. Vormittag offiziell verkündet wurde und zur Umstellung keinerlei Hinweise zu alternativen Empfangswegen etwa in Form einer Ansageschleife genannt wurden bzw. werden. Beobachtungen im Radioforum von UKWTV.de zufolge ist auf den Frequenzen nur noch Rauschen zu hören. Eine andere Informationspolitik hätte DAB+ möglicherweise eher weitere Hörer beschert und die Freunde von hr2-kultur besser über die veränderten Ausstrahlungswege informiert, obwohl ein Vorgehen wie dieses durchaus DAB+ unterstützt bzw. unterstützen könnte, etwa mit ausreichender Öffentlichkeitsarbeit.

Korrekt ist selbstverständlich, dass besonders Wort- und Klassikprogramme durch die rauschfreie, digitale Übertragung profitieren. Jedoch erscheint dieser Schritt des HR aus Hörersicht verfrüht, da das DAB-Sendernetz in Hessen noch nicht ausreichend ausgebaut ist, um das gesamte Bundesland zu versorgen. Ein Vergleich mit unseren nördlichen Nachbarn: Die meist ob ihres anspruchsvollen Programms von weniger Zuhörern eingeschalteten Kulturwellen wurden auch in Dänemark auf DAB transformiert. Nach einem Beschluss des Parlaments musste Danmarks Radio eine seiner UKW-Ketten an private Veranstalter abgeben, die Vollprogramme DR P1 und P2, Wort- und Kultursender, wurden auf UKW zusammengelegt und bestehen nur auf DAB weiterhin im vollen Angebot. Der Unterschied zur zunächst als Fastnachtsscherz verstandenen Aktion des Hessischen Rundfunks ist jedoch deutlich: Danmarks Radio informierte seine Hörer bereits mehrere Monate vor der Umstellung über diesen Vorgang und war bekanntlich dazu von Seiten der Regierung gezwungen, da diese eine öffentlich-rechtliche Monopolstellung befürchtete. Bezüglich des hessischen Falls bleibt die Frage offen, ob eher die reichweitenstarke Pop- und Jugendwelle YOU FM oder das Digitalradio DAB+ unterstützt werden sollte. Bemerkenswert ist schließlich, dass YOU FM ein mit Werbespots gespicktes Programm ist, HR2-Kultur hingegen nicht.

Die Unterstützung des digitalen Hörfunks durch UKW-(Teil-)Abschaltungen macht Sinn. Andere ARD-Anstalten sollten diesen Schritt jedoch erst bei ausreichender DAB-Versorgung und mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit vollziehen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie die Öffentlichkeit über dieses Vorgehen des HR reagiert und ob es bei diesem Frequenzwechsel bleiben wird.

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Weiterführende Informationen:

Homepage HR2-Kultur mit Hörerinformation

Infoseite vom HR bezüglich Digitalradio (mit Empfangsprognose)

Zweiter „Bundesmux“ in Sicht – Digitalradio im Jahr 2013

DAB-Radio PURE Evoke Classic (Foto: Pure)In diesem Jahr kann das bundesweite Digitalradioangebot seinen zweiten Geburtstag feiern. Sender wie 90elf, Absolut Radio, ERF Plus oder Radio BOB sind seit August 2011 in vielen Regionen Deutschlands über DAB+ empfangbar. Regionale Sender runden die Programmpalette ab. Doch viele Hörer vermissen weitere Programme mit anderen Musikgenres, die die Hörfunkpalette ergänzen könnten. Geht es nach Rechtsanwalt Helmut G. Bauer, der maßgeblich am Start des ersten bundesweit einheitlichen DAB-Bouquets beteiligt war, wird 2013 zu einem sehr wichtigen Jahr für den digital-terrestrischen Rundfunk. „2013 entscheidet sich die Zukunft von DAB+“ prophezeit Bauer, der sich optimistisch gibt. „Wir liegen voll in unserem Zeitplan“ – und meint damit die Planungen zu einem zweiten, nationalen Programmangebot über Digitalradio. Noch im ersten Quartal dieses Jahres würden die ersten Programmveranstalter offiziell bekannt gegeben, die planen, ihre Sendungen ebenfalls bundesweit digital auszustrahlen. Im Anschluss werden, so Bauer, Gespräche mit der Bundesnetzagentur, den Landesmedienanstalten und Ländern zur weiteren Planung aufgenommen. Bis die neuen Programme also on air gehen können, wird noch einige Zeit vergehen.

Offiziell ist noch nicht bekannt, in welchen Regionen der „zweite Bundes-Multiplex“ auf Sendung gehen soll, geschweige denn, welche Programme zu hören sein werden. Mögliche Kandidaten sind aber beispielsweise in den regionalen Multiplexen Bayerns, Hessens und Berlins zu finden, ist doch ein Schlager- oder Oldieformat, wie es von radioGOLD und Radio Paloma in der Bundeshauptstadt oder der  Schlagerhölle in Hessen zu hören ist, in anderen Bundesländern teils noch nicht mal über traditionelle Ultrakurzwelle zu empfangen. Nicht zu vergessen sind auch weitere Programmanbieter, die ihre Hörfunkkanäle schon jetzt in mehreren regionalen Multiplexen ausstrahlen lassen und solche, die bei der Vergabe der Sendeplätze für den ersten, bundesweiten Multiplex leer ausgingen bzw. vorzeitig absagten (Radio Disney, Süddeutsche Zeitung) oder erst gar nicht zum Zuge kamen (Lagardère-Gruppe aus Frankreich).

Auch wenn bisher nur wenige Details zum zweiten bundesweiten Digitalradio-Layer bekannt sind, ist eines doch schon gegeben: Grundlage für  Diskussionen.

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Weiterführende Informationen:

– Informationen zu Digitalradio: http://www.digitalradio.de
– Interview zum Programm „Schlagerhölle“: http://radio-wird-digital.de(…)-schlagerholle.html
– DAB-Sendernetz wird ausgebaut: http://www.dxaktuell.de/?p=2874

– Foto: PURE