DRM/DAB-Kombi für Großbritannien gefordert

Das internationale Konsortium des digitalen Hörfunks DRM äußerte sich heute am 6. Juli 2009 zu der Entwicklung des digitalen Hörfunks in Großbritannien. Allgemein begrüße man die im Weißbuch der britischen Regierung „Digital Britain“ veröffentlichten Vorschläge, hieß es in einer Pressemitteilung. Da sich der Plan jedoch hauptsächlich auf die Standards der DAB-Familie beziehen, fordert das fast 100 Mitglieder vertretende Konsortium eine

DAB-Radio der Firma Pure. Foto: Pure
Britisches DAB-Radio, noch (?) ohne DRM. Foto: Pure

Aufnahme von Standards aus der DRM-Famile. Zu dieser gehört der Standard „Digital Radio Mondiale“ für digitalen Hörfunk auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle sowie auch DRM+, das digitale Übertragungen im UKW-Bereich ermöglicht. Der Bericht der britischen Regierung verlangt einen raschen Wechsel auf den Standard Digital Audio Broadcasting (DAB), der sich bereits jetzt in Großbritannien durchgesetzt hat. Landesweit sind verschiedene Sender zu empfangen, darunter zahlreiche Sonderprogramme der öffentlich-rechtlichen BBC und verschiedene private Stationen. Jedoch biete DRM nach Angaben des Konsortiums Vorteile für die Verbreitung in ländlichen und dünn besiedelten Regionen sowie auch für lokale Radiostationen. Man empfiehlt eine Kombination aus DRM und DAB, da sich die beiden Standards gut ergänzen würden. Diese Kombination bieten derzeit Geräte der Firmen Technisat, Morphy Richards, Himalaya und Starwaves.

Weitere Informationen: www.drm.org. Quelle: Pressemitteilung DRM. Stand: 6. Juli 2009

Nachrichten von der Mittelwelle aus drei Ländern

Bald auf Mittelwelle? Bayern Plus

Das Jugendradio des Bayrischen Rundfunks „On3Radio“ wird derzeit auf Satellit, im Kabel, im Internet sowie auf zwei Mittelwellenfrequenzen ausgestrahlt. Zum Einsatz kommen hierfür die Standorte Hof und Würzburg (729 kHz; o,2 bzw. 1 kW) sowie Nürnberg und München-Ismaning auf 801 kHz mit 17 bzw. 100 kW. Gerüchten zufolge soll auf diesen Frequenzen demnächst das Programm „Bayern plus“ gesendet werden. Diese Vermutungen wurden im Forum des Onlineportals UKWTV.de laut. Das Programm „Bayern plus“ existiert seit fast einem Jahr und wird ebenfalls nur über digitale Verbreitungswege ausgestrahlt. Inhaltlich richten sich die Sendungen an eine ältere Generation. Auf dem Sendeplan stehen Volksmusik, „deutsches Liedgut“ sowie Verbraucherinformationen und kurze Nachrichtenblöcke. Bevor „On3Radio“ die Mittelwelle übernahm, wurde hier das Programm „Bayern 1“ ausgestrahlt.

Neuerungen auf der Mittelwelle sind auch in Italien zu finden: Aus der Kleinstadt Villa Estense (zwischen Verona und Venedig gelegen) sendet seit einiger Zeit „Challenger Radio“ in der Landessprache. Gesendet werden auch religiöse Programme, die vom deutschen „Radio Santec“ produziert werden. Die Sendeleistung liegt derzeit bei 800 Watt. Wie in der A-DX-Mailingliste berichtet wird, sind in den kommenden 20 Tagen auch Tests in digitaler Modulation (DRM) zu erwarten.

Ab 2011 nicht mehr on Air? Hauptmast in Sottens für 765 kHz
Ab 2011 nicht mehr on Air? Hauptmast in Sottens für 765 kHz

In einer finanziellen Kriese steckt der Schweizer Rundfunk. Durch ein dreiteiliges Sparpaket will die SRG SSR idée suisse versuchen, ihre Geldsorgen in den Griff zu bekommen. Mögliche Maßnahmen wären beispielsweise der Ausstieg aus den gemeinschaftsprogrammen 3Sat und TV5 oder die Einstellung der digitalen Hörfunkprogramme DRS Virus und DRS Musikwelle. Eine weitere Maßnahme besteht in der Abschaltung des Mittelwellensenders Sottens. Von hier aus wird derzeit das französische Programm „Option Musique“ auf 765 kHz ausgestrahlt. Sollte der Sendebetrieb von diesem Standort tatsächlich eingestellt werden, so wäre dies das Ende von Mittelwellensendungen in der Schweiz. Die Standorte Monte Ceneri-Cima sowie Beromünster wurden bereits in den letzten Monaten vom Netz genommen. Da sich die Abschaltung des Sender Sottens bereits im ersten Teil des SRG-Sparprogramms befindet, gilt eine Abschaltung als sehr wahrscheinlich. Wahrscheinlich wird diese im Jahr 2011 stattfinden.

Zwitschern im Iran: Werden den Vögeln die Federn gerupft?

Die Auslandsnachrichten der meisten TV- und Radiostationen kennen derzeit nur ein Top-Thema, die Proteste in Teheran gegen die Wahlergebnisse. Doch wie so oft wird auch aufProteste im Iran einer bestimmten Internetseite aktiv über die Ereignisse im Iran berichtet: Twitter.

Die trendige Web2.0-Anwendung mit dem niedlichen Zwitschervögelchen wird nicht selten als „Gedankenlokus für Jedermann“ beschimpft, bei aktuellen Geschehnissen ist Twitter aber immer ganz vorn mit der Berichterstattung. Und so ist es auch bei den Protesten im Iran. Die, die noch Zugang zum Internet und zu www.twitter.com haben, berichten mehrmals täglich über das, was sie vor der Haustür erleben. So schreibt der User „persiankiwi“: „Drei Leute aus unserer Gruppe sind noch nicht vom Protestmarsch zurückgekehrt, kein Kontakt mehr per Handy seit 2 Stunden #Iranelection“ sowie „Die Schüsse sind vorüber, doch weiterhin Panik in Teheran #Iranelection“. Per Hashtag wird beim Microblogging das Thema der Nachricht markiert, „Iranelection“ schaffte es innerhalb kürzester Zeit in die Topthemen aller Einträge bei Twitter. Doch mehr und mehr Nutzern wird ihr Account durch iranische Behörden geschlossen, jedenfalls wenn man wiederum anderen Nutzern von Twitter glauben schenken kann. Den Twitter-Zwitscher-Vögeln werden die Federn gerupft. Und so stellt sich die Frage, wer tatsächlich aus dem Iran twittert und wer überhaupt bei der Wahrheit bleibt. Subjektivität in 140 Zeichen, ein Nachteil den man bei den meisten Journalisten der großen Nachrichtenagenturen nicht befürchten muss. (Zumindest berichtet der Großteil in mehr als 140 Zeichen.) Eindeutig mehr als tausend Worte sagen dagegen Fotos, und auch die bietet Twitter aus dem Iran. Mittels „TwitPic“ können blitzschnell Bilder ausgetauscht und gespeichert werden. Nachfolgend eine Linkliste mit weiterführenden Informationen:

Fotos und Bilder aus dem Iran via TwitPicdie neusten Meldungen via Twitter zum Thema Wahlen,  Liste mit Twitterusern (wahrscheinlich) aus dem Iran, www.twitter.com. Auch das oben gezeigte Foto stammt von Twitpic und wird hier gemäß den Twitpic-Nutzungsbedingungen veröffentlicht.

Nach Angaben der BBC wird derzeit auch die Berichterstattung ihres Iran-Programms aus Großbritannien massiv behindert. Mehreren Artikeln zufolge setzt der Iran Störsender gegen das Programm ein und behindert die Ausstrahlung des Satellitentransponders auf Hotbird 13° Ost. Somit wurde auch in Deutschland der Empfang des Programms für mehrere Stunden unmöglich gemacht. Ob weitere Programme von den Störaktivitäten beeinträchtigt werden ist derzeit unbekannt.

DRMplus-Test in Frankreich

Das Sendesystem „Digital Radio Mondiale“ beschränkt sich nicht nur auf die Frequenzbereiche der Lang-, Mittel- und Kurzwellen sondern kann auch auf UKW eingesetzt werden. Verwendet wird hier die modifizierte Version unter dem Namen „DRM+“. DRM+ wurde bisher in Hannover und Kaiserslautern getestet. Nun fand der weltweit dritte Test in Paris statt. Am vergangenen Donnerstag wurde vom Senderstandort Tour Pleyel auf 64.5 MHz ein Signal in diesem neuen Standard ausgestrahlt. In 10 Kilometer Entfernung, im Hauptsitz der französischen Regulierungsbehörde für

Tour Pleyel
Tour Pleyel

Medien CSA, befand sich die Empfangsstation. Trotz der niedrigen Sendeleitung von 400 Watt sei die Signalstärke „gut“ gewesen, wie das internationale DRM-Konsortium in einer Pressemitteilung erwähnt. DRM+ sei damit die perfekte Lösung für Rundfunksender, die nicht die Möglichkeit haben, sich einem überregionelen Multiplex anzuschließen. Diesen Sendern sei so der Weg frei für Ausstrahlungen in digitalem (5.1-)Sound und eventuell mit zusätzlichen Datendiensten. Die Bitraten von DRM+ liegen beim AAC+-Codec über 100 kbps. Realisiert wurde die Testsendung durch ein Team aus Kaiserslautern. Frankreich entschied sich bereits vor einigen Monaten für die digitalen Systeme DMB-Radio (basierend auf dem DAB-Standard) und Digital Radio Mondiale. Per Gesetz soll die Digitalradio-Verbreitung nun gefördert werden, neue Fahrzeuge sollen mit DMB-tauglichen Empfangsgeräten ausgerüstet sein. Auf die Ausschreibung für mehrere DMB-Multiplexe reagierten duzende Hörfunkveranstalter.  Auch die Vereinigung französischer Privatradios sprach sich für eine rasche Verbreitung des digitalen Hörfunks aus und forderte die Implemention von DRMplus-Empfangsteilen in neue Radios.

Währenddessen gerät der herkömmliche DRM-Standard für Lang-, Mittel- und Kurzwelle ins Straucheln. RTL Radio aus Luxemburg schränke seine Ausstrahlung auf Kurzwelle 6095 kHz und MW 1440 kHz massiv ein und sendet nun nur noch wenige Stunden täglich. Weiterhin planen zwar mehrere Sendeanstalten die Aufnahme von DRM-Sendungen (teilweise auf experimenteller Basis), inwiefern diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, bleibt jedoch fraglich.