Artikel-Schlagworte: „Iran“
Die Auslandsnachrichten der meisten TV- und Radiostationen kennen derzeit nur ein Top-Thema, die Proteste in Teheran gegen die Wahlergebnisse. Doch wie so oft wird auch auf
einer bestimmten Internetseite aktiv über die Ereignisse im Iran berichtet: Twitter.
Die trendige Web2.0-Anwendung mit dem niedlichen Zwitschervögelchen wird nicht selten als “Gedankenlokus für Jedermann” beschimpft, bei aktuellen Geschehnissen ist Twitter aber immer ganz vorn mit der Berichterstattung. Und so ist es auch bei den Protesten im Iran. Die, die noch Zugang zum Internet und zu www.twitter.com haben, berichten mehrmals täglich über das, was sie vor der Haustür erleben. So schreibt der User “persiankiwi”: “Drei Leute aus unserer Gruppe sind noch nicht vom Protestmarsch zurückgekehrt, kein Kontakt mehr per Handy seit 2 Stunden #Iranelection” sowie “Die Schüsse sind vorüber, doch weiterhin Panik in Teheran #Iranelection”. Per Hashtag wird beim Microblogging das Thema der Nachricht markiert, “Iranelection” schaffte es innerhalb kürzester Zeit in die Topthemen aller Einträge bei Twitter. Doch mehr und mehr Nutzern wird ihr Account durch iranische Behörden geschlossen, jedenfalls wenn man wiederum anderen Nutzern von Twitter glauben schenken kann. Den Twitter-Zwitscher-Vögeln werden die Federn gerupft. Und so stellt sich die Frage, wer tatsächlich aus dem Iran twittert und wer überhaupt bei der Wahrheit bleibt. Subjektivität in 140 Zeichen, ein Nachteil den man bei den meisten Journalisten der großen Nachrichtenagenturen nicht befürchten muss. (Zumindest berichtet der Großteil in mehr als 140 Zeichen.) Eindeutig mehr als tausend Worte sagen dagegen Fotos, und auch die bietet Twitter aus dem Iran. Mittels “TwitPic” können blitzschnell Bilder ausgetauscht und gespeichert werden. Nachfolgend eine Linkliste mit weiterführenden Informationen:
Fotos und Bilder aus dem Iran via TwitPic, die neusten Meldungen via Twitter zum Thema Wahlen, Liste mit Twitterusern (wahrscheinlich) aus dem Iran, www.twitter.com. Auch das oben gezeigte Foto stammt von Twitpic und wird hier gemäß den Twitpic-Nutzungsbedingungen veröffentlicht.
Nach Angaben der BBC wird derzeit auch die Berichterstattung ihres Iran-Programms aus Großbritannien massiv behindert. Mehreren Artikeln zufolge setzt der Iran Störsender gegen das Programm ein und behindert die Ausstrahlung des Satellitentransponders auf Hotbird 13° Ost. Somit wurde auch in Deutschland der Empfang des Programms für mehrere Stunden unmöglich gemacht. Ob weitere Programme von den Störaktivitäten beeinträchtigt werden ist derzeit unbekannt.
Der 12. Juni 2009 ist ein wichtiges Datum für alle Bürger des Iran: Präsidentenwahl. Um die Iraner mit Informationen und Hintergründen zu den Kandidaten und den Rahmenbedingungen dieses Ereignisses zu informieren setzt die Stimme Amerikas nicht mehr nur auf Radiosendungen via Kurz- und Mittelwelle oder das Internet, sondern verstärkt auf Satellitenrundfunk.

Satellitenschüsseln der Stimme Amerikas. Foto: VoA
Das “Persian News Network”, kurz PNN, ist ab sofort zusätzlich auf den Satelliten Arabsat Badr-4 und Eutelsat HotBird zu sehen und zu hören. Letzterer Satellit kann auch in Mitteleuropa auf der Position 13° Ost empfangen werden. Die Aufschaltung wird in Washington mit iranischen Störsendern gegen die konventionellen Verbreitungswege begründet. Satellitenrundfunk sei im Iran zwar offiziell verboten, werde aber -sogar in abgeschiedenen Ortschaften- zur Information und Unterhaltung eingesetzt. Erste Reaktionen seien bereits positiv, berichtet die VoA in einer Pressemitteilung.
Für Alex Belinda, den Direktor des PNN, ist der Iran eine “der wichtigesten Nationen, für die wir senden. Unsere Aufgabe ist die Verbreitung von objektiven und ausgewogenen Informationen, sodass sich jeder seine eigene Meinung über die Wahl bilden kann”. In täglich sieben Stunden Fernsehen und fünf Sendestunden Hörfunk bringt der US-Amerikanische Auslandsdienst Berichte über den Wahlkampf von vier Präsidentschaftskandidaten. Nach Angaben der Voice of America schaltet schon jetzt einer unter vier Iranern eine Sendung des PNN pro Woche ein. Zusätzlich zur terrestrischen Verbreitung und zur Satellitensendung sind die Programme im Internet abrufbar. Die Adresse lautet http://www.voanews.com/persian/.