Das Hobby “Fernempfang” gehört zweifellos zu den Faszinierendsten und Abwechslungsreichsten Hobbys im Bereich der Rundfunktechnik. Gerne wird für dieses Hobby auch der Ausdruck “DXen” bzw. “DXing” verwendet. Die Abkürzung “DX” steht für den Empfang eines Senders aus weiter Entfernung, dem wichtigsten Teil des Hobbys.

.

Die Ausbreitungsbedingungen auf der Kurzwelle ändern sich ständig. So sind zu einigen Zeiten Stationen aus einem bestimten Winkel der Erde kaum oder gar nicht zu hören. Aus einer anderen Region hingegen können die Signale zur gleichen Zeit besonders stark sein, obwohl die Stationen von dort nur mit schwacher Sendeleistung strahlen. Mit einem Kurzwellenempfänger kann man nun versuchen, auf die “Jagd” nach bestimmten Stationen zu gehen. Klappt es nicht, sollte man es zu einer anderen Uhrzeit oder einer anderen Jahreszeit erneut probieren. Ebenfalls kann man versuchen, seine Antenne zu optimieren. Hierbei lernt man schnell die Eigenschaften von verschiedenen Antennentypen kennen. Hat man aber Erfolg, so kann man versuchen einen Mitschnitt anzufertigen (z.B. als MP3-Datei), die Empfangsdaten in ein Logbuch (z.B. in einer Hobbyzeitschrift oder einer Mailingliste) eintragen oder dem empfangenen Sender einen Empfangsbericht zukommen lassen.

.
Die meisten Kurzwellenstationen haben ein großes Interesse daran zu erfahren, wie ihre Programme bei den Hörern ankommen. Jeder Sender möchte selbstverständlich sicherstellen, dass die Signale in guter Qualität beim Hörer ankommen. Wenn Sie einem Sender einen solchen Empfangsbericht schreiben aus dem hervorgeht wie Sie ihn empfangen haben, bekommen Sie eine QSL-Karte. Dies ist eine Empfangsbestätigung des Senders, was genau sich hinter dieser Bezeichnung versteckt, wird auf der Seite “Was ist eigentlich eine QSL-Karte” erklärt. Doch nicht jeder Sender antwortet (schnell) und so kann auch die Jagd nach Empfangsbestätigungen ein interessanter Teil des Hobbys sein. Doch zunächst die Frage:

.

Wie schreibe ich einen Empfangsbericht?

Hier ein Beispielbericht, die rot hervorgehobenen Begriffe werden unten erklärt.

.


An: Radio Prag, German Service, Vinohradská 12, 12099 Prag 2, Tschechische Republik

.

EMPFANGSBERICHT

.

Datum: 01.08.2009   Zeit: 07:30-07:45 UTC   Frequenz: 5930 kHz  

.

Technische Bemerkungen: Guter Empfang mit starkem Signal, nur Störungen von einem anderen Sender auf 5925 kHz.

.

SINPO: 43444

.

Programmeinzelheiten: Deutsches Programm. Nachrichten: Die Aktienkurse von ABC sind drastisch gesunken, die Firmenleitung ist sprachlos und entlässt als Sofortmaßnahme 70% der Belegschaft. Die Tschechische Firma CzechTech hat einen weiteren Standort in Prag eröffnet und plant noch in diesem Jahr drei weitere Filialen zu bauen.  Die Eisenbahn der Slowakei kann durch ihre Zusammenarbeit mit der Tschechischen Erfolge verzeichnen. Wetterbericht: stürmisch, bis zu 17°C. Tagesthema: “Kunstmuseen in Prag”. Das Hörerforum mit Zuschriften und Meinungen der Hörer.

.

Empfänger: Grundig 12345

Antenne: Langdrahtantenne

.

Ihr Programm gefällt mir sehr gut, die Sendung “Spaziergang durch Prag” höre ich regelmäßig. (…Weitere Kommentare zum Programm wären jetzt angebracht…). Wenn mein Empfangsbericht korrekt und für Sie interessant ist, würde ich mich sehr über eine QSL-Karte freuen. Vielen Dank schon jetzt.

Viele Grüße

M. Mustermann

.

Adresse:

M. Mustermann

Radiostraße 1

12345 Langwellendorf

Deutschland / Germany

.


.

Oft ist es hilfreich, die Adresse und den Briefkopf durch die Angabe der Sprachredaktion zu ergänzen, also z.B. “German Service”. So kann die Zuschrift schneller der entsprechenden Sprachredaktion zugeordnet werden. Bei großen Auslandsstationen sollte die Zeitangabe in Weltzeit gemacht werden (Universal Time Coordination, UTC), die man wie folgt berechnet.

.

Beispiel:

Zur Winterzeit (MEZ) ist es in Deutschland 14 Uhr.

Zur Berechnung der UTC wird eine Stunde subtrahiert, es ist also 1300 Uhr UTC . Zur Berechnung von UTC -> MEZ muss man einfach eine Stunde addieren.

Zur Sommerzeit gilt dasselbe, nur + bzw. – 2 Stunden.

WINTER:     MEZ-1 Stunde = UTC

SOMMER:   MESZ-2 Stunden = UTC

Andersherum:    

WINTER: 12:00 UTC + 1h = 13.00 MEZ (Mitteleuropäische Zeit) 

SOMMER: 12.00 UTC + 2h = 14.00 MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit)

.

Die Zeitangabe in UTC wird oft ohne . oder : geschrieben.

Bei kleineren Inlandsstationen sollte man die Uhrzeit übrigens besser in der lokalen Zeit der Station angeben.

.

Empfangsbeurteilung

Um die Empfangsqualität angeben zu können wird der SINPO-Code verwendet.

.

  S I N P O
  Signalstärke Interferenzen Nebengeräusche Fading Gesamtbewertung
5 sehr gut keine keine kein sehr gut
4 gut kaum kaum leichtes gut
3 akzeptabel mittlere mittel mittel mittelmäßig
2 schlecht starke starke starkes schlecht
1 sehr schwach sehr starke sehr starke sehr starkes sehr schlecht

Den SINPO 55555 bekommt z.B. Ihr Ortssender.

.

Signalstärke: Lautstärke und Klarheit des empfangenen Signals. Sie wird bei den meisten Empfängern anhand eines kleinen Balkens angezeigt, um die Antenne exakt ausrichten zu können.

Interferenzen: Störungen durch andere Sender. Bei dem Wert 1 ist das Programm kaum noch zu verstehen.

Nebengeräusche: Rauschen, Knacken, also Nebengeräusche die den Empfang stören.

Fading = Ausbreitungsstörungen: Beim Fading verändert sich die Signalstärke des Senders plötzlich, er wird also lauter und leiser. Dieser Effekt wird auch “Signalschwund” genannt.

.

Manchmal wird dieser Code auch als SINFO-Code oder SIO-Code bezeichnet. Bei letzterem fallen dann die entsprechenden Kategorien einfach weg. Bei kleineren Station ist es sinnvoller, die Empfangsqualität in Worten anzugeben, da hier eventuell der SINPO-Code nicht bekannt ist.

.

Für einen korrekten Empfangsbericht müssen Programmdetails für 10 bis 15 Minuten angegeben werden, damit der Sender sichergehen kann, dass die Station tatsächlich gehört wurde. Bei einigen Sendern werden die Programmdetails z.B. mit der Playlist abgeglichen. Daher ist es hilfreich, z.B. gespielte Songs oder Stichpunkte einer Nachrichtenmeldung zu notieren. Denken Sie auch an eine saubere Handschrift und -sofern gewünscht- den Hinweis auf den QSL-Kartenwunsch!

.

Übrigens: Bei Stationen, die in deutscher Sprache senden, kann der Bericht auch auf Deutsch verfasst werden. Bei anderen Sendern bietet sich -neben der entsprechenden Landessprache- Englisch oder Französisch an. Die meisten Sender akzeptieren auch Empfangsberichte per Fax oder E-Mail.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass bei vielen Sendern die Unterstützung der jeweiligen Sprachredaktion von der eingehenden Hörerpost abhängt. Ist die Resonanz auf die Sendungen besonders gut, so kann man auf eine Fortführung hoffen. Bleibt die Hörerpost aus, sinkt die Unterstützung durch die Senderleitung.

Besonders freuen sich die Redaktionen übrigens über Kommentare und Meinungen zu den Sendungen und Themen. Also – lassen Sie von sich hören, ob per Empfangsbericht, Internetbesuch oder Feedback.

.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.