Nein, ein wirklicher Aufschwung für die digitale Kurzwelle ist das nicht, aber ich will nicht nörgeln: Mit dem neuen Musikprogramm “The Disco Palace” versuchen die belgischen Kurzwellenmakler und Sendeexperten von TDPradio dem etwas eingedösten DRM-System etwas mehr Leben einzuhauchen. DRM, das steht für Digital Radio Mondiale, ist zwar für Russland und Indien als offizieller Nachfolgestandard für die analoge Kurz- und Mittelwelle auserkoren worden, konnte in allen restlichen Ländern der Welt jedoch noch keine wirklichen Erfolge auf dem Hörfunkmarkt verbuchen (und wenn man ehrlich ist in den beiden genannten Staaten auch noch nicht). Reizt das neue Discoprogramm aber vielleicht nun Empfängerhersteller und Radiohörer dazu, sich in Zukunft intensiver mit diesem Sendesystem zu beschäftigen?

Geschrieben steht es nirgendwo, aber es stimmt: “The Disco Palace” ist ein Ableger von “TDPradio”, einem Technoprogramm, das nun schon seit einigen Jahren auf DRM-Kurzwelle sowie im Internet sendet. Offiziell kommt das neue Discoformat zwar aus der Glanz- und Glitzerwelt von Miami, könnte tatsächlich aber einem Streaming-PC im belgischen Rijkevorsel entspringen. Zusammen mit dem älteren Bruder TDPradio nutzt man nun die Sendeanlagen im französischen Issoudun und in Montsinery, Französisch Guyana. Nach Nordamerika senden also je 60 Minuten Discofever und Techno auf  der Frequenz 11775 kHz mit 100 Kilowatt:

Eine Sendeantenne in Issoudun und Hinweisschilder.

Hinweisschilder und eine Sendeantenne in Issoudun.

1900-2000 Uhr UTC: TDPradio
2000-2100 Uhr UTC: The Disco Palace

Für Europa senden die beiden Stationen auf der Frequenz 6015 kHz wie folgt:

1400-1500 Uhr UTC: The Disco Palace

TDPradio sendet Montag: 0700-0800 UTC, Dienstag: 0800-0900, Mittwoch: 0900-1000, Donnerstag: 1000-1100, Freitag: 1100-1200, Samstag: 1200-1300 und Sonntag: 1300-1400 UTC. Zum Einsatz kommen die Sendeanlagen “Nil” oder “Mississippi” im französischen Sendezentrum in Issoudun, die das Programm mit 60 Kilowatt ausstrahlen. TDPradio schickte bis vor kurzem auch eine Sendung nach Asien über Sendeanlagen im australischen Darwin. Nachdem diese Sendestation aber vom Eigentümer Christian Vision (CVC) geschlossen wurde, ruhen die Ausstrahlungen in Richtung Japan, China und Korea.

Beide Stationen hätten mit ihrer besonderen Musikauswahl durchaus Potenzial, die DRM-Kurzwelle aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen. Mit aber je nur einer Sendestunde pro Tag dürfte das aber recht unwahrscheinlich sein; da nützt auch die samstägliche Wunschssendung bei “The Disco Palace” eher wenig. Guter Versuch, gute Musik, aber vermutlich wird die Anzahl der Hörer per Webstream trotzdem höher sein als die, die eines der wenigen DRM-Radios besitzen.

http://www.tdpradio.com und http://www.thediscopalace.com, beide Seiten mit Livestreams und letztere auch mit Musikdatenbank. Unter http://www.drm.org gibt es weitere Informationen zu DRM.

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