Archiv für September 2009
Am 30. Juni 2008 stellte der schweizer Landessender Monte Ceneri seinen Betrieb ein. Nach 75 Jahren endeten an diesem Tag die Ausstrahlungen auf Mittelwelle von diesem Ort aus. Zuletzt wurde auf der Frequenz 558 kHz das Programm “Rete Uno” mit
300 Kilowatt vom etwas entfernteren Standort Monte Ceneri-Cima gesendet. Am 28. September 2009 war jedoch unerwartet ein Signal auf der alten Frequenz auszumachen, was Mittelwellenspezialisten dem tessiner Sender zuordneten. Hierbei handelte es sich um einen 800-Hz-Testton, der auch bis nach Norddeutschland noch hörbar war. Möglicherweise wird vom Sendestandort Monte Ceneri-Cima ein Reichweitentest durchgeführt, nachdem der religiöse Programmanbieter “Radio Madre” sein Interesse an dem Sender geäußert hatte.
Ein Nachbarland der Schweiz ist Österreich: Hier feiert im kommenden Jahr der Hörerklub “ADXB-OE” sein 40-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums wird mit dem slowakischen Auslandsfunk “Radio Slowakei International” eine kleine Aktion für alle Freunde des internationalen Rundfunkempfangs durchgeführt. Wer innerhalb des Zeitraums 1.11.09 – Ende Januar 2010 einen Empfangsbericht über eine beliebige Sendung von RSI an die ADXB-OE sendet, kann eine spezielle QSL-Karte erhalten. Zusätzlich sollte ein Euro, ein US-Dollar oder ein IRC (gültig bitte über den 31.12.09 hinaus) beigelegt werden. Die Adresse lautet: ADXB, Postfach 1000, 1081 Wien, Österreich. Für jede empfangene Frequenz gibt es maximal eine QSL-Karte. Weitere Informationen über den Klub gibt es auch unter www.adxb.at. Die Homepage von Radio Slowakei lautet www.rsi.sk. Dort gibt es neben aktuellen Informationen auch einen Überblick über die Empfangsfrequenzen.
Das Foto zeigt die Sendeantenne für 558 kHz auf dem Monte Ceneri-Cima. Bildquelle und weitere Informationen: http://www.biennophone.ch/MW-Sender.htm
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Dr. Willi Steul - Intendant Deutschlandradio
Der Hörfunkrat des Deutschlandradios befasste sich im September 2009 mit der Entscheidung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) zum Projekt Digitaler Hörfunk und damit zur Zukunft des Hörfunks in Deutschland. Der Neustart des digitalen Hörfunks im DABplus-Standard wurde nach KEF-Entscheidung abgebrochen. In einer Resulotion appelliert der Hörfunkrat an die Ministerpräsidenten, dem Hörfunk einen eigenständigen digitalen Verbreitungsweg zu eröffnen und dadurch eine zukunftssichere Entwicklungschance zu geben.
“Der Hörfunkrat des Deutschlandradios kritisiert die Entscheidung der KEF zum Projekt “Digitaler Hörfunk”. Durch die Weigerung, die Mittel freizugeben, ist der Nationale Hörfunk gezwungen, die bisherige Verbreitung seiner Programme Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur über DAB zum Jahresende einzustellen und den geplanten Neustart des digitalen Hörfunks mit dem Übertragungsstandard DAB lus abzusagen.
Das Gremium sieht in der Entscheidung der KEF eine unzulässige Einmischung in die Rundfunkpolitik der Länder und eine Weichenstellung, die die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks in Deutschland dauerhaft verhindern könnte. Es ist weniger eine Finanzierungsfrage, sondern vielmehr eine technologische, industriepolitische und medienpolitische Entscheidung. Es besteht nun die Gefahr, dass der Hörfunk in Deutschland eine analoge Insel im digitalisierten Europa bleibt. Außerdem kann nach der Entscheidung der KEF das von der Politik beauftragte digitale dritte Programm des Deutschlandradios, “DRadio Wissen”, ohne DAB nicht mobil empfangen werden. Daneben macht der Hörfunkrat des Deutschlandradios auf ökonomische und ökologische Aspekte aufmerksam: Durch die Ausstrahlung über DAB könnte ein Radioprogramm mit deutlich weniger elektrischer Energie gesendet und die Funkfeldleistung könnte in erheblichem Umfang reduziert werden. Mit einem flächendeckenden DAB-Netz könnten dann die weniger effizienten analogen Systeme wie UKW, LW und MW langfristig abgeschaltet werden. Im Vergleich zu der derzeit mangelhaften Versorgung der beiden Deutschlandradio-Programme können mit ca. 50 % der bisherigen Verbreitungskosten sogar alle 3 Programme flächendeckend mit einer deutlich besseren Qualität verbreitet werden.
Der Hörfunkrat appelliert an die Ministerpräsidenten und an die Rundfunkkommission der Länder, dem Radio in der modernen Medienwelt auch neben dem Internet, das bei Massenbeanspruchung nicht ausreichend leistungsfähig ist, einen eigenständigen digitalen Verbreitungsweg zu eröffnen, damit eine Flächenversorgung sicherzustellen und somit dem Hörfunk eine zukunftsichernde Entwicklungschance zu geben.”
Weiterhin fordert der Hörfunkrat:
1. Schutz der Hörfunkfrequenzen im Band III:
Mit der drohenden Einstellung der DAB-Übertragung besteht die Gefahr, dass dieses Frequenzband zukünftig für Fernseh- oder Mobilfunkanwendungen genutzt wird. Damit gingen diese Frequenzen für den Hörfunk für alle Zeit verloren und stünden für eine spätere Digitalisierung des Hörfunks nicht mehr zur Verfügung.
2. Gesetzliche Verankerung eines Umstiegsszenarios für den Hörfunk:
Eine sukzessive Abschaltung der analogen Netze im Zeitraum 2015 – 2020 ist realistisch.
3. Einbau von Multinorm-Chips in Radiogeräte:
Wie in Frankreich könnten Hersteller zum Einbau dieser Chips verpflichtet werden. Damit würde der Umstieg für die Hörer erleichtert werden.”
Dies teilte das Deutschlandradio in einer Pressemitteilung mit. Bildquelle: ©Deutschlandradio – Bettina Fürst-Fastré. Weitere Informationen: http://www.dradio.de.
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…für Woche Nummero neununddreißig. Mein Faible für insulanische Hörfunkstationen dürfte spätestens seit den letzten drei Wochenendwebradiotipps bekannt sein. Doch an diesem Wochenende habt Ihr, liebe Leserinnen und Leser, die Wahl. Die Wahl zwischen Festland und Insel, Malta und San Marino. Interessante Zwergstaaten sind auf jeden Fall beide.
Malta – Spannende Inselrepublik im Mittelmeer mit wohligen Temperaturen auch im Winter. Valetta lockt als kultige Inselhauptstadt mit seiner Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe, guten sechs Kilo Einwohner und einer Handvoll von berühmten Filmkulissen. Steven Spielberg beispielsweise drehte hier Teile seines Films “München”. Ähnlich spannend ist die maltesische Hörfunkszene. Anders als in vielen Zwergstaaten hat sich hier eine bemerkenswerte Vielfalt von Radioprogrammen etabliert. Vom christlichen Propagandaprogramm bis hin zur klassischen Kulturschleuder oder dem britischen Auslandsdienst findet sich auf der maltesischen Radioskala quasi für jeden etwas. Wie lange es auf Malta und den Nachbarinseln Gozo und Comingo aber noch Radios mit Skala geben wird ist ungewiss. Schließlich startete vor kurzem ein breitgefächertes Angebot aus Stationen im digitalen DABplus-Format. Unter diesen Stationen
befindet sich auch “89.7 Bay Radio”, welches aber -wie der Sendername verrät-, auch auf UKW zu empfangen ist.
Außerhalb Maltas im sich immer mehr dem Herbst zuwidmenden Mitteleuropa dröhnt eine beachtliche Anzahl von Radiostationen via Weltnetz aus unseren Lautsprechern und Kopfhörern. Und auch hier macht “89.7 Bay Radio” von sich hören: Der WMA-Livestream strömt über den örtlichen Telekommunikationsdienstleister “Melita” mit etwa 40 kbps. Zu hören gibt es neben einer ganzen Menge englischsprachiger Werbung Maltas beliebtesten Musikmix* unter den 18-24-jährigen der Insel und sportlich-agile Moderation in Malti. Diese arabischklingende Sprache vermengt mit Dance, Rock und einer Prise Punk hinterlässt unter Garantie einen bleibenden Eindruck und ist nur wärmstens zu empfehlen. Wer sich berieseln lassen möchte, füge mms://212.56.136.20/Bay%20Radio der persönlichen Playlist hinzu. Auf der Senderhomepage http://www.bay.com.mt lassen sich übrigens die aktuellen Inselcharts abrufen.
Mit melodiösen Jingles und einer -sagen wir- eher vorsichtigeren Musikauswahl hält “Radio San Marino” auf UKW und IP die Fahne für San Marino hoch. Der knapp 61 km² große Zwergstaat wurde bereits im Jahr 301 zur Republik und hat nur eine Grenze, nämlich die zu Italien. Klar, dass auch die Amtssprache Italienisch ist und man den Euro als offizielles Zahlungsmittel eingeführt hat (aber mit eigener Prägung – immerhin!). Doch werfen wir einen Blick (oder besser: ein Ohr) in die Radiowelt der Republik: Radio San Marino bietet 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche ein Vollprogramm aus Service, Sport, Unterhaltung, europäischem Mainstream à la Coldplay, Italo-Pop und der üblichen Portion Werbung. Zusammenfassend also eher ein Sender zum Nebenbeihören, Berieseln und Abschalten. “Abschalten” im Sinne von “entspannen”, selbstverständlich. Auf einer kulturelleren Ebene bewegt sich da schon “Radio San Marino Classic”. Klassische Musik, Abstecher in die italienische Literatur, kulturelle Berichte und Features sind wesentliche Programmpunkte. Beide Sender sind über einen Flash-Player auf der Homepage http://www.sanmarinortv.sm/ zu finden. Dort kann man auch Ausschnitte des staatlichen Fernsehprogramms ansehen.
Zeit, das heimische Internetradio heißlaufen zu lassen. Viel Freunde dabei.
*Tatsächlich: Bay Radio ist lt. der aktuellen maltesischen Hörerbefragung das beliebteste Programm in dieser Zielgruppe. Bild: Ein Internetradio der Firma Grundig mit IP-, UKW- und DAB-Empfang. Foto: Grundig Intermedia GmbH
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…für die 38. Woche. Ein wenig ähnelt der heutige Tipp dem der letzten Woche: Wieder geht es auf eine Insel, wieder wurde dieser Inselstaat durch seine Top-Level-Domain bekannt und wieder hört sich der vorgestellte Livestream wie Mittelwelle an. Willkommen auf Vanuatu!
Ein ganzes Stück nord-östlich Australiens liegen die 83 Inseln Vanuatus mit insgesamt 200.000 Einwohnern. Bis 1980 firmierte der kleine Südpazifikstaat noch unter der Bezeichnung “Neue Hebriden”, damals herrschten hier noch Frankreich und Großbritannien. Amtssprachen sind heute weiterhin Englisch, Französisch, aber auch Bislama sowie 106 weitere Lokalsprachen, die von 72% der Bewohner gesprochen werden. Damit hat Vanuatu die höchste Sprachendichte weltweit. Natürlich wird auch die Sprache des Geldes gut verstanden, die ehemals kostenfreie Internet-TLD .vu wurde für 42 Millionen Euro verkauft und findet inzwischen weltweiten Anklang. 42 Mio. Euro sind übrigens ungefähr 6.100.000 Vatu, die offizielle Währung der Inselgruppe. Kenner der Finanzszene schätzen übrigens vanuatuischen Steuervorteile und sind zudem vor europäischen Fahndern sicher, wie die niederländische Tauschbörse KaZaA oder der “OnlineTVRecorder”.
Während sich der offizielle Rundfunk VBTC im Weltnetz eher zurückhält, beschallt der Privatsender “107 Capital FM” aus Port Vila den Globus dafür mit mit seinen Audiostreams, und hält vier praktische Links für Real Player, iTunes, Windows Media oder Winamp bereit. So lassen sie sich auch bequem ins heimische Webradio übertragen. Qualitätsmäßig bewegen sich die Audioströme auf einer recht niedrigen Ebene, der MP3-Stream tönt mit 24 kbps wie frisch aus dem Blecheimer. FM107 tut Dinge, die deutsche Privatstationen nur noch selten tun: Nachts um 02:00 Uhr Lokalzeit wird tatsächlich noch moderiert und Werbung gesendet. Zusätzlich gibt es dann Telefonaktionen, ja wirklich, um 02:00 Uhr Nachts. Famos, oder? Moderation ist übrigens überwiegend in englischer Sprache mit sympatischem Inseldialekt. Musikalisch bewegt sich das Programm dann zwischen den Top 40 der USA, rockigen Zugaben und einigen, sehr schönen lokalen Einflüssen. Abgerundet wird alles noch mit einer Portion Songs, die wahrscheinlich aus einem Dreifach-CD-Album namens “Best of the 80′s” stammen. Dennoch: Hörenswert! Das verstammelte Englisch der Moderatorin, die Werbung für Bars, Fleischereien und Mobilfunkprovider gemixt mit sonderbar produzierten Jingles geben dieser Insel einen wirklich besonderen Charme. Da kommt Reisefieber auf!
Wer nicht gleich überstürzt in den Flieger der “Air Vanuatu” steigen und auf einem der 31 vanutuischen Flugzplätze landen will, dem sei die Homepage des Tourismusbüros empfohlen: http://www.vanuatu.travel. 107 Capital FM präsentiert sich via http://www.fm107vanuatu.com/ unter anderem mit dem MP3-Stream http://lin1.ash.fast-serv.com:9062/. Kurzwellenhörer können auf günstige Ausbreitungsbedingungen und somit auch ein hauchdünnes Signal auf 7260 kHz der VBTC hoffen.
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…mit etwas Verspätung für Woche Nummer 37. Auch dieses Mal soll es wieder auf eine Inselgruppe gehen, nämlich auf die Yap-Inseln. Zugegeben, kein gewöhnliches Reiseziel, auch nicht für Internetradiohörer. Yap gehört zu den Förderierten Staaten Mikronesiens, also dem Staat, der in der restlichen Welt wohl hauptsächlich durch die beliebte Domain-Endung .fm bekannt ist. Zu Yap gehören 145 kleinere Inseln und einige Atolle, wie Wikipedia verrät. Auf den Yapesen im pazifischen Ozean gibt es für uns Europäer noch den einen oder anderen ungewöhnlichen Brauch. So wird auch heute noch das “Steingeld” als Zahlungsmittel verwendet. Der Wert dieser runden Steine mit mittigem Transportloch variiert je nach den Mühen, die nötig waren um sie auf Yap zu bringen. Die Größe der einzelnen Kalksteine ist dabei unwichtig. Gelegentlich kann eine einzige “Münze” auch einen Durchmesser von über einem Meter haben.
Auf 1494 kHz sendet für Yap “Radio Yap – V6AI”. Hörer in Europa können sich via Windows Media-Livestream ins laufende Programm einschalten. Bei einer Datenrate von nur 8 kbps kommt unter Garantie Mittelwellenfeeling auf. Durch die Zeitverschiebung muss man allerdings Morgens oder spät Abends einschalten, um das Tagesprogramm von Radio Yap zu erwischen. Um 16.00 Uhr MESZ ist auf Yap nämlich mitternächtlicher Sendeschluss.
Auf Kurzwelle selten in Europa zu erhaschen war übrigens “The Cross”, eine religiöse Station auf 4755 kHz und UKW. Ob der Kurzwellensender inzwischen wieder in Betrieb ist, ist derzeit unklar.
Inselguide mit Links zu allen Radiostationen: http://www.fm/yap/radio.htm (oben Insel wählen)
Livestream Radio Yap: mms://pohnpei-radio.telecom.fm/v6ai
The Cross: http://radio.pmapacific.org/
Deutsche Homepage des Fremdenverkehrsamts Yap mit weiteren Informationen: http://www.visityap.eu/
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…für die 36. Woche. Seit der Abschaltung des Mittelwellensenders Beromünster 531 kHz ist auf dieser Frequenz in Deutschland häufiger das Signal der Färöer-Inseln zu hören. Doch “Kringvarp Føroya” sendet sein Hörfunkprogramm nicht nur auf Mittelwelle und UKW, sondern auch weltweit im Internet.
Der färöerische Wappenwidder
Aus dem Land mit dem freundlich dreinblickenden Wappenwidder dröhnt das Programm sogar gleich in drei verschiedenen Bitraten, das ist vorbildlich. Das Programm des “Útvarp” (dt.: Auswurf, Aussendung) ist interessant: Einen vergleichbaren Sender gibt es in Deutschland wohl nicht. Zwischen “Coldplay” und Bruce Springsteens “Hungry Heart” rutscht nicht selten ein Kommentar über Werke aus der klassischen Sparte, gerne auch inkl. Abstecher in die Geschichte und angehängter Fußballzusammenfassung. Samstagabend dann ist um 21.00 Uhr in Tórshavn Zeit für die “15 tær bestu”, auf Deutsch wären das die Top 15 der Inselcharts um 22.00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit. In dieser Sendung landen die beliebtesten Songs der Inselgruppe und darunter sind nicht nur internationale Interpreten.
