Archiv für Juli 2009
Ein Neustart des terrestrischen, digitalen Hörfunks in Deutschland rückt in ferne Zukunft. Bei ihrer Sitzung am 15.07.2009 entschied sich die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarf der Rundfunkanstalten (KEF) für eine weitere Sperrung der Mittel, mit denen gerade diese Vision verwirklicht werden sollte. “Die Mittel für die vorliegenden Projektanträge der ARD und des Deutschlandradios zum digitalen Hörfunks werden nicht freigegeben, weil

wesentliche Teile der von ihr mit den Rundfunkanstalten abgestimmten Kriterien nicht erfüllt sind und damit die Wirtschaftlichkeit der Projekte nicht nachgewiesen werden konnte”, heißt es nüchtern in einer heute erschienenen Pressemitteilung. Ausschlaggebend für diese Entscheidung der KEF war unter anderem die Entscheidung der VPRT, die Pläne der öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht zu unterstützen, da sie keine Zukunft in einem bundesweiten Netz aus DABplus-Sendern sähe. Hinter der Abkürzung “VPRT” verbirgt sich der größte deutsche Verband von privaten Rundfunkanstalten.
Unzufrieden war die KEF nach weiteren Informationen aber auch mit den vorgelegten Plänen der ARD. So seien die Angaben über besondere, digitale Programmangebote, Zusatzdienste sowie einen möglichen UKW-Ausstieg unzureichend gewesen. Die KEF hätte in der laufenden Gebührenperiode für den digitalen Hörfunk 30 Millionen Euro für die ARD und 12 Millionen Euro für das Deutschlandradio freigegeben. Später wären dann zusätzlich 300 Millionen geflossen. Einsparungen im gesamten Rundfunkkomplex hättten sich durch eine UKW-Abschaltung ergeben. Das Deutschlandradio peilte 2020 für einen Analogausstieg an, letztendlich konnte man sich aber nicht auf einen Termin einigen.
Da der DAB-Netzausbau zunächst nur in den Ballungsräumen erfolgen sollte, hätte sich für die zwei Deutschlandradios kein wirklicher Mehrwert durch DAB+ ergeben. Schließlich hätte man so auch nicht mehr Hörer als auf UKW erreichen können. Auch wenn diese Mittel nach KEF-Angaben nicht “gestrichen” sondern nur weiterhin gesperrt wären und für Projekte zur Radiodigitalisierung weiterhin zur Verfügung ständen, scheint die Zukunft des digitalen Hörfunks in Deutschland nicht gerade rosig. Was nun?
Die Pressemitteilungen der KEF sind auf der Homepage von Bayern Digital Radio zu finden: http://www.bayerndigitalradio.de/news-details/kef-weder-freigabe-noch-streichung-der-mittel/. Stand 16.07.2009.
Ergänzung: Auf http://www.bayerndigitalradio.de/ sind inzwischen die ersten Reaktionen zu finden. Deutschlandradio und die Landesmedienanstalt des Saarlandes reagieren mit Unverständnis auf die KEF-Entscheidung und fordern die Freigabe der Mittel für die Digitalisierung auf anderen Wegen.
Nach 60 Tagen Streik haben sich die Mitarbeiter des französischen Auslandsradios “Radio France Internationale” auf eine Unterbrechung ihres Streiks verständigt. Auf ihrer Vollversammlung am 10. Juli 2009 beschloss die Belegschaft des Senders die Arbeitsniederlegung in den Sommermonaten nicht fortzusetzen.

Foto: RFI
Im September jedoch sollen die Proteste wieder weitergehen. Sie richten sich gegen den neuen Sozialplan des Senders, wonach 206 Stellen gestrichen werden sollen. Daher werden auch mehrere Sprachredaktionen eingestellt, darunter auch das deutsche Programm. Die deutsche Redaktion beschränkte ihre Arbeit während des Streiks ausschließlich auf eine unregelmäßige Aktualisierung ihrer Homepage. In den zwei Monaten wurden nur 3 Sendungen ausgestrahlt, sonst sind täglich drei Ausgaben zu hören. Empfangen werden kann RFI auf Deutsch via Internet, Satellit, regional auf UKW und im Kabel sowie über Mittelwelle 1179 kHz (Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk, “Antenne Saar”).
Weitere Informationen unter http://www.rfi.fr/actude/pages/001/accueil.asp. Das deutsche Programm gibt es auch als Podcast bei www.radio700.info.
Wie durch die vor kurzem veröffentlichte Funkanalyse Bayern 2009 (FAB) bekannt wurde, hat sich die Nutzung des Internets im Freistaat erneut erhöht. Während 2008 noch 62,7% der Bevölkerung ab 14 Jahren das WWW nutzten, sind es in diesem Jahr bereits 65,4%. In der werberelevanten Altersgruppe 14-49 waren es sogar 86,2 Prozent (2008 81,9%). Die Radionutzung liegt beim Durchschnitt der Bevölkerung (ab 10 Jahren) von 05.00 Uhr morgens bis etwa 21.00 Uhr deutlich vor der Internetnutzung. Ein ähnliches Ergebnis zeichnet sich bei den 10- bis 29-jährigen ab, hier überwiegt jedoch ab etwa 19.00 Uhr das Internet.
Leicht zugenommen hat in Bayern auch die Radionutzung via World Wide Web: 26,7 Prozent ab 14 Jahren haben schon einmal Radio über das Internet ausprobiert, im Vorjahr waren es 23,2 Prozent. Mehrmals pro Woche schalten inzwischen 6,5 Prozent Radio via IP anstatt auf UKW, Am, DAB oder Satellit ein. Die FAB wurde in diesem Jahr zum 21. Mal durchgeführt. Sie liefert Reichweiten der bayrischen Radiostationen, die u. A. für die Werbeindustrie relevant sind. In Auftrag gegeben wird sie jährlich von der Bayrischen Landeszentrale für neue Medien und den privaten Hörfunkveranstaltern.
Quelle und weitere Infos: http://www.radiowoche.de/index.php?p=news&newsid=7511&area=1. Stand: 6. Juli 2009
Das internationale Konsortium des digitalen Hörfunks DRM äußerte sich heute am 6. Juli 2009 zu der Entwicklung des digitalen Hörfunks in Großbritannien. Allgemein begrüße man die im Weißbuch der britischen Regierung “Digital Britain” veröffentlichten Vorschläge, hieß es in einer Pressemitteilung. Da sich der Plan jedoch hauptsächlich auf die Standards der DAB-Familie beziehen, fordert das fast 100 Mitglieder vertretende Konsortium eine

Britisches DAB-Radio, noch (?) ohne DRM. Foto: Pure
Aufnahme von Standards aus der DRM-Famile. Zu dieser gehört der Standard “Digital Radio Mondiale” für digitalen Hörfunk auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle sowie auch DRM+, das digitale Übertragungen im UKW-Bereich ermöglicht. Der Bericht der britischen Regierung verlangt einen raschen Wechsel auf den Standard Digital Audio Broadcasting (DAB), der sich bereits jetzt in Großbritannien durchgesetzt hat. Landesweit sind verschiedene Sender zu empfangen, darunter zahlreiche Sonderprogramme der öffentlich-rechtlichen BBC und verschiedene private Stationen. Jedoch biete DRM nach Angaben des Konsortiums Vorteile für die Verbreitung in ländlichen und dünn besiedelten Regionen sowie auch für lokale Radiostationen. Man empfiehlt eine Kombination aus DRM und DAB, da sich die beiden Standards gut ergänzen würden. Diese Kombination bieten derzeit Geräte der Firmen Technisat, Morphy Richards, Himalaya und Starwaves.
Weitere Informationen: www.drm.org. Quelle: Pressemitteilung DRM. Stand: 6. Juli 2009