Archiv für die Kategorie „Webradiotipps“

Irgendwas machen sie anders, die Franzosen. Was in Deutschland unvorstellbar wäre, passiert z.B. gerade beim landesweiten, privaten Radiosender RTL. Da beginnt zum frühen Nachmittag glatt eine einstündige Sendung mit Klassikkonzerten und einer Hand voll Arien. Nein, die Nadel auf der virtuellen Internetfrequenzskala ist nicht verrutscht, wir sind immer noch bei dem gleichen Sender, der gestern noch rhythmischen, französischen Pop auf goldige Oldies folgen lies. Ähnlich verrückt übrigens der Talksender Europe 1, bekannt den Saarländern durch die gigantische Langwellensendeanlage Felsberg (183 kHz), der tatsächlich fast den ganzen Tag nur Wortprogramme, gespickt durch wohlige Jingles, seinen Hörern präsentiert und dennoch zu den ältesten Privatradios Europas gehört und seit 1955 nicht über zu wenig Hörer klagen muss. Verrückt, dieses Frankreich.

.

Le Mouv'Spaßig, wild, verrückt, durchgedreht, neu, anders, bunt, spannend. Acht einfallsreiche Attribute, die den Leser doch nur die Großartigkeit von der jungen Welle des öffentlich-rechtlichen Radio France erahnen lassen können: Le Mouv’. Der Sender mit dem aparten Apostroph begann 1997 als Pop-Programm aus Toulouse und sendet heute aus dem Sendezentrum von Radio France aus Paris. Ein Radio mit Rock-Spirit, wie man einst behauptete. Ob das stimmt, mag jeder Hörer selbst entscheiden, fest steht aber, dass Le Mouv’ an Großartigkeit nur schwer zu überbieten ist. Das Tagesprogramm unterscheidet sich in der Musikauswahl deutlich dem der meisten deutschen Popwellen.

.

Die Musik macht Laune, nervt nicht, wabert irgendwie wohlig um den geneigten Hörer herum und weckt ihn dann aber auch wieder rechtzeitig mit temperamentvolleren Klängen, bevor er in einer Traumwelt zu versinken droht. Singsprache ist übrigens sowohl Französisch als auch Englisch, Sendesprache selbstverständlich ausschließlich Französisch. Und das hört man auch recht oft, denn bei Gelegenheit werden zusätzliche Informationen zu Interpreten, Festivals und Veranstaltungen eingestreut, ergänzt durch Wortprogramme und seriöse Nachrichten inkl. Sport und Interviews.

Besonders erwähnenswert ist der Flashplayer auf der Homepage. Hier kann man nicht nur das Liveprogramm in guter Tonqualität hören, nein, man kann auch mehrere Stunden im Programm zurückspulen und dank Timeshifting die Musik von heute Morgen nochmal hören. Passend zum aktuell eingestellten Sendemoment wird natürlich auch der gespielte Titel als Text angezeigt. Ein schöner Service, den man garantiert vermisst, wenn man den nackten Livestream im MP3-Format hört.

Nach drei Radiotipps aus Frankreich: Was kann man als vom Gewinnspiel- und Claimrasselfunk geschädigter Radiohörer da nur wimmern? Merci. Und eine Träne verdrücken. 

.

Weiterführende Links:

- RTL www.rtl.fr

- Europe 1 www.europe1.fr

- Le Mouv’ www.lemouv.com

- Le Mouv’-Player mit Time Shift: http://lemouv.com/files/rfPlayer/player.html

- Le Mouv’-Livestream: http://mp3.live.tv-radio.com/lemouv/all/lemouvhautdebit.mp3

- Bildquelle / Source: http://trendy.lesblogsmedias.fr/files/2009/09/mouv_leslie.jpg

.

Das Deutschlandradio ist der meist zitierte Hörfunksender und das bestätigt, dass der deutsche, nationale Hörfunk an Seriösität wohl kaum zu überbieten ist. Hier oben, im Olymp der guten Radiosender tummeln sich viele öffentlich-rechtliche Stationen aus Deutschland, Europa und der Welt und auch eine Hand voll privater Sender. Eine dieser privaten Sender trägt einen großen Namen, den man in Deutschland eher mit leichter Unterhaltung verbindet: RTL. 

Langwellenantennen von RTL

Langwellenantennen von RTL in Beidweiler

In Frankreich muss sich RTL keinesfalls hinter den öffentlich-rechtlichen Programmen von Radio France verstecken. Zwar ist RTL der älteste Privatsender Europas, vergisst im täglichen Tagesgeschäft nicht seine Tradition, wirkt dennoch aber modern und weckt im deutschen Radiohörer die Sehnsucht nach einem Pendant für den deutschen Sprachraum. 

RTL, gegründet 1931, selbstverständlich im Großherzogtum Luxemburg, sendet heute aus der rue Bayard in Paris und verbreitet sein Programm im Internet, via Satellit, auf zahlreichen UKW-Frequenzen in ganz Frankreich und auch heute noch über die luxemburger Langwellenfrequenz 234 kHz im kleinen Örtchen Beidweiler. 

RTL sendet einen Mix aus französischen Chansons, französischem und internationalem Pop, ebenso internationalen Oldies und wuchtige Wortprogramme wie politisches Kabarett, Sportübertragungen (Hallo, liebe Freunde der Tour de France!) und Nachrichten, Interviews und Service. RTL ist auf Veranstaltungen und gesellschaftlichen Events präsent, stellt keine Claimsprachroboter anstatt von echten Persönlichkeiten als Moderatoren ein und sendet seit Jahren das gleiche, traditionsträchtige Nachrichtenjingle. Und die hübschen, gesungenen Station-IDs verdienen ebenfalls eine Würdigung. 

Das Privatfunk nicht gleich Dummfunk ist, beweist RTL für alle außerhalb des terrestrischen Sendegebiets unter http://streaming.radio.rtl.fr/rtl-1-44-128 und http://www.rtl.fr. Gute Unterhaltung!

.

Auf der Landkarte für Webradiohörer war Transnistrien lange Zeit ein weißer Fleck. Aus dem nicht anerkannten, an der Grenze von Moldawien zur Ukraine liegenden Staat sendet bereits seit 2003 “Radio PMR” auf auf deutscher Sprache. Einzige Möglichkeit zum Empfang dieser Sendungen war bisher die Kurzwelle, auf der man Montags bis Freitags auf Deutsch zu folgenden Zeiten zu hören ist:

Aus dem ADDX-Hörfahrplan: 17:30-17:45, 18:15-18:30, 18:45-19:00, 21:30-21:45, 22:15-22:30, 22:45-23:00 UTC-Weltzeit auf der Frequenz 6240 kHz. Der Empfang in Mitteleuropa stellt kein Problem dar, auch einfacherere Radios können das in der Hauptstadt Tiraspol produzierte Programm empfangen. Ausgestrahlt wird es über eine Sendeanlage nahe der ukrainischen Grenze im Ort Mayak nahe Grigoriopol.

Seit einigen Tagen bietet man im Internet unter der Adresse auch einen Nachrichtendienst in verschiedenen Sprachen. Die Anlaufstelle ist hierfür http://www.radiopmr.org, während man die deutsche Abteilung über das obere Menü, bzw. direkt über http://www.radiopmr.org/golos/list/8/, erreicht. Erstmals ist auch das Hörfunkprogramm als Live-Audiostream im Netz vertreten. Der Livestream kann über http://ds001.ix-host.ru:8000/radiopmr.m3u erreicht werden. Die Auslandssendungen sind jedoch noch nicht zu hören, bisher wird lediglich der russischsprachige Inlandsdienst übertragen.

Das zweite Programm von Radio PMR, die “Neue Welle”, ist als OGG-Stream unter http://ds001.ix-host.ru:8000/volna.ogg.m3u zu erreichen. Somit bietet sich nun die Möglichkeit, einen genaueren Eindruck der transnistrischen Radioszene zu erhaschen – und das in guter Tonqualität.

.

Weitere Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Transnistrien, http://www.addx.de 

.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu – doch vorher flattert am 24.12.  noch rasch das Christkind ins Haus, breitet die am Nordpol von flinken Zwegen gefertigten Weihnachtspräsente aus, wirft gleichzeitig noch etwas mehr Holz ins Kaminfeuer und schnappt sich keck einen Keks vom bunten Teller. Abgerundet wird diese ach-so weihnachtliche Atmosphäre vom W-Lan-Radio, welches via DSL-Router seelige Weihnachtsklänge empfängt.

Frohes Fest!

Damit der geneigte User mehr als nur Wham!s “Last Christmas” auf die Ohren gelegt bekommt, seien nachfolgend ein paar fein ausgesuchte Weihnachtswebradiotipps aufgelistet.

Wer die traditionellen Weihnachtssongs satt hat, dem sei wärmstens “DR Dansktop” empfohlen. Der öffentlich-rechtliche dänische Rundfunk hat hier eine erlesene Auswahl von rhythmischer, aber dennoch volkstümlicher Stimmungsmusik getroffen. Ausschließlich auf Dänisch, da klingt “Driving Home for Christmas” schon etwas anders – mit Humtata-Sound und etwas Fantasie wird daraus ein spaßiges Weihnachtslied zum Mitschunkeln. Ein paar Schmunzler bereitet dieses Programm garantiert.

Was Santa Claus gerade treibt, wird live im britischen DAB-Digitalradio gesendet. Auf “Radio Lapland” kann man dem Weihnachtsmann bei den Vorbereitungen zum Heiligen Abend zuhören, ein Live-Hörspiel aus Lapland quasi. Im MP3-Livestream kann man auch außerhalb der Insel hören, wie Santa Geschenke verpackt, sich ein Glas Cherry genehmigt oder die Takte eines Weihnachtsliedes summt. Richtig spannend wird es wohl erst gegen Abend – also vielleicht mal eine neue Hintergrundberieselung für die Bescherung?

Sehr weihnachtlich wird’s bei 1.FM Always Christmas. Unter ganz traditionelle Weihnachtssongs mischt sich auch Swing, Weihnachtsjazz oder gar Acapella. Der Stream strömt mit 128 kbps (WMA) und tönt somit ganz formidabel. Einzig die amerikanische und vollkommen unweihnachtliche Werbung für Immobilien oder Pay-TV stört die festliche Atmosphäre ein wenig.

Ein Weihnachtsklassiker für alle Freunde der rauhen See ist “Gruß an Bord”. Seefahrer grüßen Verwandte, Familien grüßen Seeleute, Reedereien tun es ebenso. Übertragen wird diese Sendung in voller Länge (3 Stunden) ausschließlich auf NDR Info Spezial, d.h. auf den Mittelwellen 702, 828, 972 und 792 kHz, via Satellit sowie im Livestream der Station. Ausgestrahlt wird das Programm an Heiligabend von 20:05 Uhr (MEZ) bis 22:00 Uhr und dann weiter von 23:05 bis 24:00 Uhr. Die ersten beiden Sendestunden werden auch über die UKW-Sender von NDR Info und NDR 90,3 übertragen.

Frohe Weihnachten – und einen guten Empfang über die Festtage!

 

DR Dansktop: http://www.dr.dk/netradio/metafiler/asx/DR_Dansktop_128.asx

Radio Lapland: http://www.arqiva.me/radio-lapland-10.mp3 / http://www.radiolapland.co.uk/ 

1.FM Always Christmas: http://christmas.1.fm/1fmchristmas128k 

NDR Info Spezial: http://ndr.ic.llnwd.net/stream/ndr_ndrinfo_spezial_hi_mp3 

.

Die Translation im Onlinelexikon Wikipedia liest sich etwas komisch: Den “Reichsrundfunk” stell ich also vor. Das mag beim ersten Hinsehen befremdlich anmuten und gleich wieder zum Wegsehen animieren – aber ich kann entwarnen, schließlich entpuppt sich dieser Reichsrundfunk als erleichternd modern und progressiv mit seinen zahlreichen Online- und DAB-Kanälen. Und dass er im Jahre 1933 gegründet wurde ist… äh… Zufall, wirklich. Ich will doch nur den “Reichsrundfunk Norwegens” vorstellen, Norsk rikskringkasting heißt das dann in Landessprache.

Winter in Tuddal, Region Telemark, Norwegen

Winter in Tuddal, Region Telemark, Südnorwegen

Nachdem ich aus dieser Nummer einigermaßen… ähem… heil wieder rausgekommen bin, schnell zu den Formalitäten: Norwegen! König Harald V. regiert über 4.8 Millionen Einwohner, bezahlt mit der norwegischen Krone, wohnt in Oslo und feiert zusammen mit dem Premierminister am 17. Mai den Nationalfeiertag. Und irgendwie könnte das Königreich Norwegen die Schweiz Skandinaviens sein, sträubte man sich doch bereits mehrmals gegen den Beitritt zur Europäischen Union und bietet begehrte Güter in seinem Hoheitsgebiet. Die Schweiz hat Käse, Norwgen Öl.

Norwegens Rundfunk NRK bietet gleich eine ganze Reihe an Livestreams, in unterschiedlichen Bitraten für unterschiedlich schnelle Internetzugänge. Eine Besonderheit ist dabei der Kanal “NRK 5.1″, der mit 440 kbps (!) exzellenten Rundumklang bietet, sofern man eine entsprechende Anlage sein Eigenen nennen darf. In 160 kbps und verschiedenen Regionalversionen strömt das Hauptprogramm “P1″, es versteht sich als unaufdringlichen aber praktischen Tagesbegleiter seiner über 1.000.000 Hörer. Anspruchsvolle Arien und Kulturberichte sind dann Auftrag von “P2″ und das junge Radio ist “P3″: Tagsüber vieles vom “besten von heute” (allerdings nicht zu vergleichen mit der in Deutschland unter diesem Slogan gefahrenen Dudelschiene), abends einige interessante Themensendungen, mit Musik, die es sonst eher selten zu hören gibt. Prädikat: Anklicken, Abspeichern, Anhören. Auch wenn man nicht in der anvisierten Altersgruppe 15-30 liegen sollte.

Fernsehturm Trondheim

Fernsehturm in Trondheim

Ein Ableger von “P3″ ist “NRK P3 Urørt”, zu Deutsch: “P3 Unberührt”. Hier werden unbekannte Bands vorgestellt, die eigentlich nur schwer einen Weg in die Playlisten der großen Radiostationen finden würden und durch diesen Sender in der Öffentlichkeit etwas publiker werden. Angesichts des Sendeausfalls zum Testzeitpunkt ist zu hoffen, dass dieses interessante Projekt rasch wieder im Internet zu hören ist. Nicht zu überhören ist dafür “mP3″, die Musik auf diesem Online-, Satelliten- und DAB-Kanal ist energiegeladen, laut und gibt Kraft um einen dunklen, skandinavischen Wintertag zu überstehen. Oder um sich möglichst Rasch einen spaßigen Tinnitus per Schalltraumata herbeizuführen.

Wer eher auf etwas traditionellere Töne wert legt, dem sei NRK Alltid Folkemusikk ans Hörorgan gelegt. Gelegentlich nordisch-beruhigend behagliche und ruhige Volksmusik, ab und zu aber auch erschreckend befremdlich anmutende Klänge, die wohl auch irgendwie aus dem Lang der Fjorde und des Stockfisches zu kommen scheinen. Umbedingt auch mal reinhören.

Bei der Fülle der Streams empfielt sich die Webseite von NRK, um einen ersten Überblick über das Programmangebot zu bekommen. Im oberen, rechten Bereich des Fensters kann die Bandbreite sowie das gewünschte Programm gewählt werden. Gute Unterhaltung! http://nettradio.nrk.no/default.php?kanal=mpetre 

unten: Fernsehturm Trondheim, Quelle: Wikipedia, Fotograf: “HuBar”. oben: Winter in Tuddal, Südnorwegen, Quelle: Wikimedia Commons, Fotograf: “Trulsh”. Beide Fotos wurden unter der Lizenz “ShareAlike” veröffentlicht.

Willkommen auf den Kaimaninseln! Einst boten diese den bösen Karibikpiraten Zuflucht, heute sind es die Reichen und Superreichen, die sich an der dort herrschenden Steuerfreiheit erlaben. Wahrlich kein schöner Vergleich, die feine englische Art ist das nicht – aber britisches Überseegebiet seit dem 17. Jahrhundert. Zirka 37.500 Einwohner aalen sich auf der 197 km² großen Hauptinsel Grand Cayman – und kommen dabei in den Genuss von einer Fülle von Radiostationen, man sollte es nicht für möglich halten. cc-by-sa, Foto: S. OettmeierEine kleine Auswahl sei hier geboten.

Blick aus dem Fenster: Regen, Sturm und Dunkelheit in Deutschland. Da lacht der Infotext des Livestreams von Radio Cayman 1 aus dem Monitor: “Live Radio Broadcast from the Cayman Islands. Life is better over here.” Neid. In Stereophonie, mit dezentem Hintergrundrauschen und 32 kbps strömt das erste Programm gen Europa und bringt gut gelaunte Popmusik, dazu einiges an Reaggae und ein wenig an Reaggae-Pop. Ergänzt wird alles mit Nachrichten zur vollen Stunde, lokalen Informationen, Talk und einer Familienpackung plötzlich eingestreuter Werbung. Das nennt sich dann Vollprogramm und ist seit 1970 auf Sendung, lokal auf UKW 89.9 MHz und eben als Windows-Media-Livestream. Mit den übermotivierten Moderatoren und der Nachrichtensprecherin mit dem niedlichen Akzent eindeutig hörenswert.

Am anderen Ende der kaimanischen Radioskala, nämlich auf 105.3 MHz, strahlt “BreezeFM”. Unter diesem Namen könnte man eine private Station vermuten, tatsächlich ist es aber das dritte Programm von Radio Cayman. Leider wird der zweite Kanal nicht im Weltnetz zur Verfügung gestellt, dafür bekommt man nach dem Klick auf den “Play”-Button von BreezeFM noch einen lustigen Brummton und einen verspielten, sich permanent ändernden Lautstärkepegel. Das Programm wirkt ein wenig müde und komisch zusammengestellt, auf schief gesungenen Rock folgt ein einschläfender Oldie, um danach von Reba McEntires “Till You Love Me” erlöst zu werden. Moderation ist karg. Man bilde sich eine eigene Meinung.

Wer Gefallen an dem bisschen Reaggae auf Radio Cayman 1 gefunden hat und einen MP3-Stream mit 48 kbps urig findet, der darf beim privaten “Vibe FM” reinhören. Hier laufen zwar auch einige Top Hits, das Programm macht aber keinen seelenlosen Eindruck mit seinen Liveberichten von Veranstaltungen und dem regionalen Touch der Rotation.

Noch ein Privater: Auf der Webseite von “The Cayman Rooster” wirbt mit großem Banner ein Bestattungsunternehmen. Man sollte aber keine voreiligen Schlüsse ziehen, denn das Programm ist erstaunlich tiefgründig. Der Stream klingt mit 64 kbps in Windows Media Audio ganz akzeptabel und liefert Talkrunden mit Inselprominenz aus Politik und Wirtschaft, Wortbeiträge und Call-In-Sendungen. An Werbung kann natürlich nicht gespart werden, man wird danach aber mit lässigem Country entlohnt, in dem auch mal German Cars besungen werden. Sollte man mal reingehört haben. Schönes Wochenende.

Radio Cayman: mms://209.27.53.52/radiocayman (Webseite http://www.radiocayman.gov.ky); The Breeze: mms://wms1.iviplanet.com/BreezeFM; Vibe FM: http://s4.viastreaming.net:7350/ (http://www.vibefm.ky/); The Rooster mms://69.59.140.90/rooster (http://www.rooster101.ky). Foto: cc-by-sa von S. Oettmeier aus Wikipedia.

.

Brrrr – es ist Winter. Es ist kalt. Und es ist Nacht. Grausige gefühlte minus achtzig Grad Celsius herrschen im ganzen Land, draußen tobt ein beißender, kalter Wind. Brrrr! Brrrr! Glücklich schätzt sich nun der Leser meines Wochenendwebradiotipps, schließlich kann er sich sein Herz unter Zuhilfenahme seines Internetradios wärmen. Mmmmhh!Schaub-Lorenz Röhrenradio

Zum ersten Auftauen empfehle ich, sich per Livestream aus Großbritannien ein paar güldene Klänge ins Haus liefern zu lassen. Das klappt gut mit einem der größten Networks auf der Insel: Mit “Gold”, ehemals “Capital Gold”. Gold sendet auf DAB, Satellit, Mittelwelle und im Internet – und sperrt den geneigten Radiohörer aus Deutschland einfach per böser Postleitzahlabfrage “aus lizenzrechtlichen Gründen” vom Livestream aus. Das ist fies, denn wer kennt schon eine britische Postleitzahl? Spontan fällt mir nur WC2H 7LA aus London ein, aber die auf der Seite des Senders einzutragen wäre ziemlich dreist. Wer würde das schon tun. Falls man dann -über welchen Weg auch immer- dennoch Zugang zu dem Programm hat, haucht einem eine nette weibliche Station-Voice den Sendernamen entgegen, gefolgt von den greatest hits of the 60s, 70s and 80s. Reinhören sollte man eigentlich aber nur in den Abend- und frühen Morgenstunden, denn dann wird mehr als nur die per Marktforschung abgesegnete Rotation abgeleiert. Begleitet wird alles von Moderatorinnen und Moderatoren, die einer der zahlreichen Alles-Wird-Gut-Telenovelas entsprungen sein könnten. Zugegeben, die Goldmedaille hat dieses Programm nicht verdient, aber Bronze sei verliehen.

Wenn es Nacht wird und die Einschaltquoten sowieso sinken, dann wagen die Platzhirsche auf dem deutschen Radiomarkt auch mal was Verrücktes und lassen den Moderator die Musik auswählen, die in seiner Sendung gespielt wird. Eine lustige Idee, die jeden Dienstag bei NDR 2 aus Hamburg Realität wird, denn ab 21.00 Uhr (MEZ) wird der dreistündige “Soundcheck – Neue Musik” durchgeführt. Am Mikrofon Dr. Peter Urban, bekannt aus Funk und Fernsehen, zum Beispiel als deutscher Kommentator des Eurovision Song Contest. Gute Musik gemischt mit wirklichen Hintergrundinfos zu Interpreten, Titeln und Labels, die nicht von Wikipedia kommen. Wer diese Sendung hört, der erfährt, wie träge die Musikredakteure dieser Welt zu sein scheinen: Was hier läuft, landet -wenn überhaupt- erst nach Wochen in der Hitrotation der gängigen Popschleudern. NDR 2, zu den übrigen Zeiten eher durchschnittliche Servicewelle des Norddeutschen Rundfunks, ist in Norddeutschland auf UKW und DAB sowie in der restlichen Welt via Livestream zu hören. Europa wird zudem auch per Satellit Astra 19,2° O versorgt.

Ab 02.05 Uhr MEZ kann man sich auf NDR Info an Musik erfreuen, die quasi nirgendwo sonst im Radio ausgestrahlt wird. Die “Nightlounge” ist unmoderiert und präsentiert eine angenehme Mischung aus Lounge-Musik, Smooth Jazz, Soul und Pop – alles abseits des Mainstreams. Wem die Sendezeit etwas zu spät ist, der kann auch tagsüber die Nightlounge auf dem Sonderkanal “NDR Musik Plus” im digitalen Radio DAB genießen.

Homepage von Gold: http://www.mygoldmusic.co.uk/, Livestream WMA 32 kbps http://mediaweb.musicradio.com/show.asx?StreamID=6&web=true. Livestreams von NDR Info unter http://ndrinfo.de/livestream150.html. Den Soundcheck Neue Musik als MP3-Loop unter http://ndr.ic.llnwd.net/stream/ndr_ndrloop18_hi_mp3, und der NDR 2 Livestream unter http://ndr2.de/programm/livestream176.html. Gute Unterhaltung!