Wenn Droitwich funkt, lebt Großbritannien

Sendeantennen in Droitwich. Foto: Bob Nienhuis
Sendeantennen in Droitwich. Foto: Bob Nienhuis / Wikimedia Commons.

Die skurrile Radio-Meldung des Tages.

Jeremy Corbyn ist Chef der britischen Labour-Party und will Premierminister werden. In einem vom Guardian veröffentlichten Bericht geht es unter anderem um seine Ablehnung von Atomwaffen. Und um die Szenarien, in denen die Nutzung von entsprechenden Raketensystemen von U-Booten aus doch erwogen bzw. empfohlen wird. Diese Szenarien seien seit dem Kalten Krieg so formuliert. Im einen Szenarium wird davon ausgegangen, dass Großbritannien weiterhin ein funktionierender Staat ist – im anderen geht man eben nicht mehr davon aus. Und ein Indiz dafür sei, so heißt es im Guardian-Text: Der Ausfall des Radioprogramms BBC Radio 4.

The second instance is based on the assumption that the UK is no longer a functioning state. In such circumstances, signalled when BBC Radio 4 can no longer be heard, the commander of the submarine on patrol would take out sealed letter from a safe, written by the prime minister, instructing them on what to do.

Es ist davon auszugehen, dass hier auf die Langwellenfrequenz 198 kHz bezug genommen wird, die aus Droitwich (Westengland) ausgestrahlt wird. Langwellen-Radio ist nämlich, im Gegensatz zu UKW- oder Digitalradio, auch tief unter der Wasseroberfläche empfangbar, sodass es auch von U-Bootenn aus empfangen werden kann. Die Marine und insbesondere U-Boote nutzen den Lang- und Längstwellenbereich zur Kommunikation, ein Teil des Frequenzbereichs ist jedoch auch dem Rundfunk vorbehalten. Und Großbritannien sieht seinen einzigen Langwellen-Rundfunksender, der mit dem Kultur- und Literaturprogramm BBC Radio 4 bedacht ist, offenbar als Lebenszeichen seiner Nation an.

2004 kam es übrigens im BBC-Funkhaus in London zu einem Sendeausfall aufgrund eines Feueralarms, gesendet wurde lediglich Stille, folglich auch auf Langwelle. Und tatsächlich soll man bei der Marine aufgeschreckt sein. Zur Beruhigung: Laut Manchester Evening News versetzt man sich nicht durch jedes Sendeloch augenblicklich in Alarmbereitschaft, sondern wird erst nach einem mehrtägigen Programmausfall unruhig.

Ob diese Geschichten und Szenarien tatsächlich (auch heute noch) stimmen ist fraglich. Denn die BBC plant offenbar, sich mittelfristig von der Langwellenfrequenz zu trennen. Dann müssten sich die U-Boote ein anderes Signal suchen, vielleicht das Langwellen-Zeitzeichen Großbritanniens. Dort gäbe es dann aber keine Cricket-Übertragungen und keine Comedy-Shows, die man während der Dienstzeiten hören kann.

(gefunden von @SimonNRicketts und @W7VOA)

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