BBC will „World Service“ ausbauen und plant Radio für Nordkorea

Das Logo des BBC World Service vor einer Kurzwellen-Sendeantenne.

Schon seit vielen Jahren steht der britische Rundfunk vor großen Einsparungen – die BBC will effizienter und schlanker werden. Erst in diesem Sommer wurde bekannt: Mehr als 1000 Stellen bei der altehrwürdigen BBC werden gestrichen. Bereits vorher kam der Rotstift auch zum BBC World Service, jener Institution in der globalen Medienwelt, die in Kriegszeiten einst glaubwürdige Nachrichten aus London nach Deutschland sendete und auch an vielen anderen Orten der Welt für verlässliche und neutrale Berichterstattung steht. Trotzdem: Einzelne Sprachdienste wurden aus Kostengründen eingestellt, die Ausstrahlungswege verändert. Dabei wurden vor allem Mittel- und Kurzwellensender abgeschaltet, also jene Sender, die mit ihrem mittelmäßigen Klang und ohne Zusatzdienste so gar nicht in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts passen.

Nun will die BBC ihre internationalen Rundfunksendungen offenbar wieder ausbauen. Dies berichtet der Guardian. Im Gespräch seien neben neuen Angeboten für Afrika und die arabischsprachige Welt auch ein BBC-Fernsehprogramm für Russland und schließlich auch ein tägliches Radioangebot für Nordkorea. Noch im vergangenen Jahr hatte die BBC Letztgenanntes ausgeschlossen, angesichts der Budgetkürzungen sei die BBC nicht in der Lage dazu, ein Radioprogramm anzubieten, von dem man nicht ausgehen könne, ob es denn überhaupt gehört werde.

Mittelwellen- und Kurzwellensender sind die einzige Möglichkeit für ausländische Programmanbieter, um Radiosendungen von „außen“ in Richtung Nordkorea zu senden, da diese eine große Reichweite haben. Jedoch nutzt der nordkoreanische Staat Störsender gegen ausländische Stationen und verbietet den Empfang von Programmen aus dem Ausland. Vor diesem Hintergrund sah man bei der BBC und im britischen Außenministerium keine Zukunft für entsprechende Sendungen, obwohl immer wieder berichtet wird, ausländische Radioprogramme könnten durch umgebaute oder ins Land geschmuggelte Radiogeräte sehr wohl gehört werden.

Darüber hinaus gab es schon zu diesem Zeitpunkt viele Programmanbieter, die entsprechende Sendungen in Richtung Pjöngjang ausstrahlen, darunter etwa die Voice of America und das ebenfalls durch die USA betriebene Radio Free Asia. Neben dem japanischen und südkoreanischen Staat senden außerdem einige christliche und privat (bzw. durch Spenden aus privaten und staatlichen Quellen) organisierte Radiostationen auf Mittel- und Kurzwelle. Genutzt werden dazu Sendeanlagen in Russland, Südkorea oder zentralasiatischen Staaten für einige Stunden täglich. Gerade die mutmaßlich durch den südkoreanischen Staat betriebenen Programme sind jedoch für viele Stunden pro Tag empfangbar, wahrscheinlich handelt es sich um 4 verschiedene Programme, die teils auf Kurzwelle, Mittelwelle und UKW senden. Über deren Hintergründe ist jedoch kaum etwas bekannt, auch das Verteidigungsministerium soll nach Angaben des „World Radio TV Handbook“ einen Sender betreiben.

Die BBC könnte mit einem koreanischen Dienst zu einer weiteren glaubwürdigen Stimme im nordkoreanischen Äther werden – die vermutlich sogar als etwas neutraler gelten dürfte, als dies etwa bei den Programmen aus Washington oder Seoul der Fall ist. Tatsächlich ist die Effektivität dieser Sendungen unklar und aufgrund der enormen Restriktionen und Störmaßnahmen des nordkoreanischen Regimes schwer kalkulierbar. Fest steht aber, dass hier der klassische Rundfunk auf den eigentlich betagten und als eingestaubt geltenden Mittel- und Kurzwellen der wohl einzige Weg ist, um tagesaktuelle Informationen in das abgeschottete Land zu bringen.

Über die „Radiokriege“ an der innerkoreanischen Grenze informiert auch diese interessante, kurze Dokumentation. Hier wird auch auf die Störsender eingegangen:

Weitere Infos und Hörbeispiele

Welche Projekte und Organisationen momentan nach Nordkorea auf Kurz- und Mittelwelle senden, erfährt man im Sendeplan auf www.eibispace.de, den man an dieser Stelle auch als Datenbank herunterladen kann. Filtert man nun die Spalte „Target“ nach dem Zielgebiet „KRE“, erhält man alle internationalen Radiostationen, die für Nordkorea senden.

Sendungen für Nordkorea. Quelle: Screenshot eibispace.de
Beispielhaft ein Auszug aus der Frequenzliste für Nordkorea, darunter aber auch die des nordkoreanischen Staatsfunks (KCBS). Quelle: Screenshot eibispace.de

Die meisten der Rundfunkorganisationen sind auch im Internet erreichbar – die mehr oder weniger im Geheimen operierenden Stationen des Geheimdienstes und des Verteidigungsministeriums Südkoreas („Echo of Hope“, „Freedom FM Radio“, „Radio Free Korea“, „Voice of the People“) haben jedoch keine Homepages und können online auch nicht gehört werden. Nachfolgend jedoch die übrigen Projekte, teils inkl. Hörbeispiele. Die Audioplayer verlinken beispielhaft nur eine zufällig ausgewählte Sendung, die auf den Servern der jeweiligen Organisation liegt.

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