Wird abgerissen: Mittelwellen-Sendemast in Britz

Radioenthusiasten beobachteten bereits seit einigen Tagen die Abschaltung der Mittelwellenfrequenz 855 kHz im Raum Berlin. Bereits seit Anfang der 2000-er Jahre nutzte das Deutschlandradio diese Frequenz zur Übertragung von Sendungen im digitalen Modus DRM, seit 2005 regelmäßig. Ausgestrahlt wurde zunächst der Deutschlandfunk zusammen mit Sondersendungen im Rahmen von “Dokumente & Debatten”, später das digitale Wissenradio “DRadio Wissen”.

In den Morgenstunden des 19.9.2012 endeten nach Angaben des Deutschlandradios nun die Ausstrahlungen auf dieser Frequenz. Eine Wiederinbetriebnahme wird nicht durchgeführt, da der 146 Meter hohe Sendemast im Oktober diesen Jahres abgerissen werden wird.

Aufgrund dieses Abrisses wird auch die Frequenz 990 kHz (Deutschlandradio Kultur, analoger Betrieb) zwischenzeitlich abgeschaltet. Ein genaues Abrissdatum steht noch nicht fest.

Ebenfalls in diesem Jahr endete vom Deutschlandradio-Senderstandort am Britzer Damm die Ausstrahlung auf der traditionsreichen Frequenz 6190 kHz, nachdem die historische Sendeanlage irreperabel beschädigt wurde. Berlin-Britz verbleibt nun noch als Senderstandort für eine UKW-Frequenz des Deutschlandradio Kultur und die Mittelwelle 990 kHz. Sofern sich das Digitalradio DAB+ durchsetzt, wird jedoch auch eine Abschaltung letztgenannter Frequenz angestrebt. Gerüchte, nach denen auch eine Verlagerung der UKW-Frequenz zu einem anderen Senderstandort angedacht sei, dementierte das Deutschlandradio.

Update: Nach Informationen des Deutschlandradio wurde die Zerlegung des Sendemastes auf die zweite Novemberwoche verschoben.

Update: Der Mast wurde nun (Ende Oktober) bereits sichtlich gekürzt, Foto an dieser Stelle.

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Weiterführende Informationen:

- http://www.dradio.de Homepage des Deutschlandradios

- http://www.asamnet.de/~bienerhj/0855.html Informationen zur Geschichte der Frequenz 855 kHz

- http://www.waniewski.de/MW/Britz/index.htm Fotogalerie mit technischen Informationen zum Sender

6 Kommentare zu „Deutschlandradio: Sendemast in Berlin-Britz wird abgerissen“

  • Jan:

    Es ist schon erstaunlich, mit welcher Eile derzeit Mittelwellenmasten umgelegt werden, kaum daß ein Sender abgeschaltet wurde. Rohrdorf, Wachenbrunn, Rodgau-Weiskirchen, Kalundborg und viele mehr. Demnächst also Britz. Was soll das? Offenbar möchte nicht nur das Deutschlandradio der Mittelwelle schnellstmöglich ihre Zukunft nehmen, egal, ob analog oder digital. Denn es wäre ja möglich, einen vorhandenen Mast in fünf oder fünfzehn Jahren zu reaktivieren, ein Neubau dürfte jedoch ausgeschlossen sein.
    Man muß sich auch fragen, mit wieviel Kenntnis und Verantwortung verschiedene ARD-Anstalten und das Deutschlandradio kräftig in DRM investiert haben, um dann die neuen Anlagen so gut wie nicht zu nutzen und schlußendlich abzureißen. Und wem nützt das? Zum einen denen, die immer wieder neue Sende- oder Empfangstechniken (DSR, DAB, DRM, DAB+, …) verkaufen wollen. Zum andenen denjenigen, die die qualitative Vielfalt, die bisher für den AM-Bereich charakteristisch war, ersetzt wissen wollen durch eine quantitative Vielfalt der immergleichen neuesten Hits, größten Oldies, dümmsten Sprüche und meisten Werbespots, von der wir schon auf UKW sattsam genug haben.

  • Heinrich:

    So ist das leider. Qualität, Bestand, Setzen auf Erprobtes und Bewährtes bedeutet Untergang. Nur das Hinterherlaufen hinter Modetrends und Wegwerftechnologien und das Produzieren von Masse statt Qualität bedeutet Fortschritt. So haben das die Menschen vereinbart.

  • Jürgen:

    In ein paar Jahren werden sich die freuen, die so schlau waren und nicht ihre Sendeanlagen vernichtet haben. Frequenzen gibt es nicht unbegrenzt und die DAB / UKW Ausbreitung stößt auch auf natürliche Grenzen. DRM wäre eine gute Ergänzung. Vielleicht steckt auch die Lobby der Internetbetreiber dahinter. Für mich ist es auch ein Stück Kultur an irgend einem Ort, auch wo kein Mobilfunkemfang und Internet möglich ist, mit enem Radioempfänger gute Sendungen und Informationen zu empfangen – nur für die entrichteten Rundfunkgebühren!

  • Jan:

    … und ein halbes Jahr später wächst die Zahl der vernichteten MW-Senden weiter: vor wenigen Tagen wurde der letzte MW-Mast des Rheinsenders in Wolfsheim umgelegt. Unglaublich, in welcher Weise die ARD-Anstalten hier Gebührenzahlergeld und Infrastrukturreserven pulverisieren.

  • Alexander:

    Ja und heute um 14.00 Uhr wurde der letzte von 4 Sendemasten in Meßkirch-Rohrdorf Mittels Sprengung der Seile flachgelegt. Einem alten Nachrichtentechniker/Fernmelder blutet hier das Herz. Es interressiert ja nicht, ob man notfalls die “Uralt-Technik” vielleicht doch mal nutzen muss???

  • Buch über die RIAS-Sendestelle Britz erschienen

    Wer sich etwas näher informieren möchte, dem sei mein kleines Buch ‘Der Sender Britz – Einblicke in die RIAS Berlin Deutschlandradio-Rundfunk-Sendestelle’ empfohlen.

    Auf 98 Seiten stelle ich die Entwicklung der Sendestelle recht detailliert dar mit vielen historischen und aktuellen Bildern.

    Unter der Nummer ISBN 978-3-00-046051-7 findet man das Buch im Internet und beim Buchhändler.

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