Der Kurzwellensender des Deutschlandfunks bleibt “off the air”. Nachdem die Hörerinnen und Hörer, die das Informationsprogramm aus Köln auf 6190 kHz in den vergangenen Monaten vermissten, mit einer Standard-Email des Hörerservice um Geduld gebeten wurden, bestätigte man im ehemaligen RIAS-Funkhaus auf Nachfrage nun, dass der KW-Sender nicht wieder eingeschaltet wird. An kaum einem anderen Senderstandort war ein Sender dieses Alters noch in Betrieb.

Ende April verschwand der 1951 in Betrieb gegangene Transmitter im 49-Meterband, dessen Faltdipolantenne sich am DRadio-Senderstandort Berlin-Britz (Foto) befindet. Nach Angaben eines Sprechers des nationalen Hörfunks sei eine Vorstufe des Senders ausgefallen und die gesamte Anlage, inkl. des Sendemastes, dringend Sanierungsbedürftig. Dieser Vorgang wäre mit enormen Kosten verbunden, die das gebührenfinanzierte Deutschlandradio nicht aufbringen könne. “Der Kurzwellensender wird nur solange betrieben, bis größere Reparaturen notwendig sind”, hieß es schon seit einigen Jahren vom Deutschlandradio. Bereits 2009 sah man größere technische Probleme voraus, die offensichtlich aber bisher immer noch behoben werden konnten. Nun ist dies nicht mehr möglich.

Mit hoher Priorität verbunden sei dagegen die Verbesserung der Inlandsversorgung im neuen Digitalradio-Standard DAB+. Erst in den vergangenen Wochen wurden dafür neue Senderstandorte in Betrieb genommen (Braunschweig, Bielefeld, Osnabrück). Das Wortprogramm des Deutschlandradios ist darüberhinaus über UKW, Satellit, im Kabel und im Internet zu empfangen. Bis der Ausbau des Digitalradios abgeschlossen ist, bleiben zudem mehrere Lang- und Mittelwellenfrequenzen.

Der historische RIAS-Kurzwellensender von 1951 in Britz.

Für DXer sei die Abschaltung sicherlich keine gute Nachricht, so der Sprecher weiter, dennoch sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass die Auslandsversorgung nicht zum “Kerngeschäft des Deutschlandradios” gehöre. Diese ist Aufgabe der Deutschen Welle, die jedoch ihr deutschsprachiges Programm im Herbst 2011 komplett ins Internet verlagerte. Den gesetzlichen Auftrag der Inlandsversorgung bemühe man sich immer besser zu erfüllen, eben auch durch neue Projekte wie DAB+, heißt es aus Berlin.

Bereits vor einigen Jahren verabschiedete sich die andere Kurzwellenfrequenz des Deutschlandradios in Berlin-Britz, 6005 kHz, durch einen Brand. Sie wurde von Radio 700 aus Euskirchen übernommen, das seitdem aus Kall-Krekel sein Programm im einst so vollen, nun fast senderleeren 49-Meterband ausstrahlen darf. Darüberhinaus senden aus Deutschland weiterehin Hobbyprojekte (MV Baltic Radio, Radio 6150 aus Bayern) und die Programme von internationalen Sendeanstalten aus den Media Broadcast-Sendezentren Nauen und Wertachtal. Vorbereitet werden, neben anderen geplanten AM-Projekten, gegenwärtig Sendungen vom religiösen Radio HCJB aus Weenermoor in Ostfriesland. Außerdem sind experimentelle DRM-Sendungen mit schwacher Leistung aus Erlangen im Stadtgebiet zu hören. Alle anderen Rundfunk-Kurzwellensender aus Deutschland, Jülich, Mühlacker, Ismaning, Bremen zum Beispiel, schweigen und werden – wie das “Schätzchen aus Britz” mit seinen 17 Kilowatt, wie der Sender unter DXern gerne genannt wurde, wohl nie wieder auf Sendung gehen.

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Weiterführende Informationen:

- Zur Geschichte der Frequenz 6190 kHz: http://www.biener-media.de/6190.html

- Homepage des Deutschlandradios: http://www.deutschlandradio.de

- Buch: “RIAS – Eine Radio-Station in einer geteilten Stadt” (H. Kundler), mit historischen Dokumenten und Fotos, auch aus Britz

 

11 Kommentare zu „Historische Deutschlandfunk-Kurzwelle wird nicht wieder eingeschaltet“

  • Sarnes Horst:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit bedauern musste ich auf Korsika in diesm Jahr feststellen daß über Kurzwelle kein deutschsprachiger Wetterbericht mehr zu empfangen war. Bei früheren Campingurlauben, im Europäischem Ausland, hörten meine Frau und ich immer die Deutsche Welle am Abend mit Nachrichten, Wetterbericht und allerlei kurzweilige Kommentaren. Unser kleiner handlicher Kurzwellenempfänger war immer dabei, und bereicherte unsere Zeit nach dem Abendessen während die Sonne über dem Meer oder den Bergen unterging. An diesen Plätzen haben wir noch nie einen Internetanschlüß finden können.Auch als Segler hörte ich immer den deutschen Seewetterbericht über den kleinen Empfänger. Mit dem Abschalten der KW-Senders erlischt ein Teil des repressentativen deutschen Kulturgutes.

  • Martin Mehlhose:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    es ist mir absolut unverständlich, daß für solche Dinge wie die Sanierung der großen AM Sender keine ausreichenden Mittel zur Verfügung gestellt werden, denn vorhanden sind sie sehr wohl !
    Unsere AM Stationen, die weltweit empfangen werden können, sind nicht weniger als die Stimme unserer Nation, und ein Ausdruck unserer Freiheit. Sie setzen sich mühelos durch, auch in Ländern, in denen Internetzensur den “Empfang” von Digitalprogrammen aus Deutschland grundsätzlich eliminiert.

    Großes Bedauern kann ich da nur aussprechen, insbesondere den Verantwortlichen gegenüber, die ja auch die Verteilung der Geldmittel vorzunehmen haben. Wen interessiert denn überhaupt DAB+ ?
    Würde man eine bundesweite Umfrage machen, was wollt ihr überhaupt, was meinen Sie würden die vielen Menschen antworten?
    “Alles soll so bleiben wie es ist” wird wohl Chancen haben auf eine große Mehrheit, und die Vernichtung bestehender Sender findet Ablehnung.

    Unser reiches Land, das Geld in alle Himmelsrichtungen verteilt, für zT mehr als fragwürdige Projekte, kann sich die Instandsetzung und den Betrieb der eigenen AM Sender nichtmehr leisten ! Das ist schlicht und einfach ein Zeugnis geistiger Armut, verbunden mit dem Desinterresse, den deutschen Rundfunk weltweit und für wirklich jeden Menschen auszustrahlen.

    mit Bedauern und netten Grüßen
    M.Mehlhose

    - Radiosammler, AM Rundfunkhörer -

  • Stefan:

    Hallo,

    eine traurige Sache…..
    Beim diesjährigen Bootsurlaub in Kroatien mußte ich feststellen, daß man über KW inzwischen mehr deutsche Beiträge von asiatischen/chinesischen Sendern empfängt als von deutschen.

    Es ist traurig, daß eine Industrienation seine Bürger im Ausland nicht direkt mit Informationen aus dem eigenen Land versorgt (auf dem Wasser ist man in einiger Entfernung vom Land auf die alte KW technik angewiesen, da hier kein Handynetz für Internet und schon gar kein DAB aus deutschland stabiel zu empfangen ist).

    Ich würde mir wünschen daß bei allen Einsparungen zumindest daß commitment zu einem aus deutschland kommenden KW-Radioprogramm gemacht und umgesetzt würde.

  • Sehr geehrte Damen und Herren des Deutschlandfunk !
    Als jahrelanger Hörer von Radiostationen auf Kurzwelle unter anderem auch den Deutschlandfunk mit Nachrichten und Informationen, bin ich sehr enttäuscht, dass Deutschland nur noch private Kurzwellensender mit sehr geringer Sendeleistung betrieben werden und im Ausland fast nicht wahrgenommen werden, da die Sendeleistung zu schwach ist. Man kann gut verstehen, dass Bürger im Urlaub oder die Ausgewandert sind die kein Internet oder sonstige Möglichkeit haben auf Informationen aus der Heimat auf einen Weltempfänger angewiesen sind um zu erfahren was in der
    Heimat los ist.
    Fazit, Deutschland wird immer kleiner im weltlichen Sendebereich.

    Mit freundlichen Grüßen
    Franz Chvatal
    http://www.kurzwelle.com

  • Rudi:

    Auf Urlaub im europäischen Ausland ist man jetzt also auf deutschsprachige Sendungen (meist asiatischer Sender) anderer Länder angewiesen.
    Was für ein Armutszeugnis.

  • Günter Weber:

    Ich habe mir extra für den Urlaub ein KW-Radio gekauft und
    jetzt lese ich, dass Deutschland trotz Milliarden GEZ-Einnahmen
    keinen Kurzwellensender mehr unterhält.

    Ein absoluter Skandal !!!!!

  • Michael Wiechmann:

    Skandalös!
    Bei unsreren Campingurlauben im Osten der Republik Polen war es sehr hilfreich, am Abend deutschsprachige Nachrichten zu empfangen und auch deas Wetter für die nächsten Tage vorhergesagt zu bekommen. Auf das sollen wir also verzichten, meinem Unmut darüber kann ich gar nicht genug Ausdruck verleihen. Nicht alle sind in der Lage, mit diesen “neuen” Angeboten ausreichend zu informieren. Ich empfimde diese Entscheidungen als skandalös und einem inakzeptabelen Denken der Vearntwortlichen geschuldet. Vielen Dank für ihre Mühe, deutschsprachige Sendungen aus der Kurzwelle zu kicken, sie haben sich damit einen Bärendienst erwiesen!

  • Tilman Kurz:

    Das ist doch unfassbar:
    Deutschland verschenkt Milliardensummen an andere EU Staaten, aber für die
    eigenen Bürger kann es nicht einmal irgendeinen KW-Sender erhalten.
    Die Deutsche Welle ist ja schon länger aus der KW ausgestiegen und verbreitet
    Ihr Programm über das Internet+SAT.
    Was soll der Schwachsinn?
    In einem Hotel mit Internet und SAT werde ich sicher nicht das DW Programm nutzen,
    jedes Studentenradio ist abwechslungsreicher.

    Und wenn man außerhalb der Zivilisation ist? Im Urwald, in der Wüste oder auf See?
    Naja, die “Stimme Koreas” sendet ja wohl noch in Deutsch, die kann ich dann hören…
    Aber Deutschland ist ein hochentwickeltes Land?
    Das einzige, was hier hoch ist sind Steuern und Gebühren!

  • Markus Gerl:

    Die Abschaltung der starken Kurzwellensender ist höchst bedauerlich. Vergangenes Jahr waren wie in Süditalien und konnten mit einem kleinen Empfänger deutsche Nachrichten empfangen. Eine Schmach, dass man sich dieses von örtlicher Infrastruktur unabhängige Medium nicht mehr leisten will.

  • Dr.Gleichsner:

    6.5.2013
    Es ist ein absolut rücksichtsloses Unterfangen der deutschen Sendegesellschaften über KW sämtliche Sendungen definitiv abzuschalten.Immerhin ist man ja zahlender Kunde der GEZ! Als mobiler Urlauber (Fahrrad,Wohnmobil) ist man nicht mehr in der Lage Nachrichten und Wetter aus Deutschland zu empfangen.Nicht jeder Urlauber ist im Hotel,wo ihm im Hotelzimmer sämtliche TV-sender in den Schoß fallen.
    Die Entscheidung muß überdacht und revidiert werden!

  • H. Schacht:

    30.05.2013
    Manchmal höre ich Radio Österreich morgens im 49 m Band auf Reisen um die deutsche Stimme noch zu hören. Das ist für den Deutschlandfunk mit seinem guten Programm über einen kleinen 17 KW Sender nicht mehr möglich? Es laufen große AM-Sender (wohl auch auf Abruf?)- auf LW und MW mit vielen 100 kW, die ich auch gut heiße, denn sie reichen teils auch ins Ausland. In der Bretange hörte ich noch die LW 155kHz. Aber da müssten doch noch Mittel für einen kleinen KW-Sender da sein für das damit mögliche große Versorgungsgebiet Europa. Ich finde es selbst in Deutschland bei Reisen noch bequem ohne lange auf UKW zu suchen die großen AM Sender oder eben die Kurzwelle schnell zu finden. Für die älteren Fans sollte da noch etwas bleiben.

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