Sendeanlage in Sines, Portugal, der Deutschen Welle / PRO-FUNK

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“Deutsche Welle – Born to be free”, die Deutsche Welle feierte 1993 ihr 40. Jubiläum. Man beachte die nette Einbindung des Pausensignals bei Minute 1:55. (Quelle: Deutsche Welle)

 

Die Ionosphäre ist die Schicht der Erdatmosphäre, die dafür sorgt, dass Kurzwellensignale reflektiert werden und somit enorme Distanzen rund um den Erdball herum zurücklegen können. Und könnte die Ionosphäre weinen, so würde sie es vermutlich an diesem Wochenende tun.

Wobei, seien wir ehrlich, könnte die Ionosphäre weinen, so hätte sie es im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder getan – nicht heute, wenn die Deutsche Welle einen Großteil ihrer Kurzwellensendungen und zudem das deutsche Radioprogramm einstellt. Jenes Deutschprogramm, das zu den traditionsreichsten auf Kurzwelle überhaupt gehörte, bestand seit Jahren nur noch aus einer sich dauerhaft wiederholenden Schleife, die kürzlich auf ein Minimum zurückgefahren wurde. Nach 10 Minuten Nachrichten folgen fünfzig Minuten “DW-Magazin” mit Berichten aus dem In- und Ausland. Das mag an eine der ARD-Infowellen erinnern, ist aber nicht damit vergleichbar und schon gar nicht mit dem Deutsche Welle-Vollprogramm, welches etwa 2004 noch geboten wurde. Abgesehen von DW-Klassikern wie der samstäglichen Grußsendung “Was ihr wollt” oder den urigen Frequenzwechselhinweisen kurz vor der halben Stunde hatte DW-Radio eigenständige Wirtschaftsmagazine, den “Reiseservice”, Musiksendungen mit Klängen aus Deutschland und der Welt, “Goethes Erben”, “Funkjournal” oder “Land und Leute”. Nach und nach wurde jedoch das Programm zu einem mehrstündigen Rhythmus umstrukturiert und zahlreiche Einzelprogramme fanden ihr Ende, da für sie kein Platz mehr war.

Nun ist also endgültig Schluss, zumindest was das deutsche Programm angeht. Zahlreiche Sprachdienste werden komplett ins Internet verlagert oder in ihrer Sendezeit gekürzt, das deutsche Programm nur noch als Podcast und Textangebot auf DW-WORLD.de beibehalten. An dieser Stelle stellt sich nun jedoch die Frage, wo genau der Anreiz liegt, für einen deutschsprechenden Hörer im Ausland ausgerechnet auf die Programme der Deutschen Welle zurückzugreifen, wenn sich mit einem Internetzugang doch die ganze Vielfalt der ARD-Radiosender bietet – in Ton und Text. Letztere sind zudem europaweit via Satellit zu empfangen, ein Übertragungsweg, den die DW ebenfalls nicht mehr für ihr deutsches Programm einsetzen wird. Das Ausland wird mit deutschsprachigen Radiosendungen dank World Wide Web schon seit Jahren nicht mehr nur von der “Welle” versorgt, das Alleinstellungsmerkmal Kurzwelle verschwindet und macht die deutschen Sendungen aus dem neuen Funkhaus in Bonn überflüssig. Im Rahmen des Sparprogramms der Deutschen Welle werden ebenfalls die eigenen Sendeanlagen in Sines (Portugal) und Trincomale (Sri Lanka) geschlossen.

Antennenpark mit 80m hoher Drehstandantenne in Sines

Die Kurzwellenausstrahlung war jahrelang die Kernkompetenz der Deutschen Welle, u.a. mit den Sendestationen Nauen bei Berlin, Wertachtal und Jülich. Letztgenannte wurde bereits vor Jahren geschlossen und kürzlich abgerissen, die übrigen beiden werden längst nicht mehr von “der Welle” selbst genutzt, sondern durch die MEDIA BROADCAST an ausländische Programmanbieter oder kleinere Stationen weitervermietet. Regelmäßige Programme in größerem Ausmaß in deutscher Sprache aus Deutschland selbst senden auf Kurzwelle lediglich der Deutschlandfunk (6190 kHz, Sender Berlin-Britz) sowie Radio 700 (6005 kHz, Sender Kall-Krekel).

 

Das traditionsreiche deutsche Programm der Deutschen Welle, welches am 3. Mai 1953 erstmals auf Sendung ging und über die Jahre hinweg zunächst aus, dann wieder zurückgebaut wurde, wird sich in der Nacht der Zeitumstellung leise verabschieden. Dieser Termin wird regelmäßig von den internationalen Rundfunksendern zum Wechsel auf ihre Winterfrequenzen genutzt – die DW wechselt diesmal nicht, wenn man von 10 Sprachdiensten für Afrika und chinesischen Programmen absieht, welche weiterhin auf Kurzwelle bleiben werden, für wie lange auch immer. Die meisten Kurzwellenprogramme der Deutschen Welle werden am kommenden Wochenende ihren ewigen Winterschlaf antreten.

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Letzte Sendungen der Deutschen Welle am 29. bzw. 30. Oktober 2011:

Kurzwellenempfang:

Die traditionsreiche Frequenz 6075 kHz im 49-Meterband, die inzwischen aus England betrieben wird, sendet von 2100-2159 UTC zum letzten Mal, dies entspricht 23.00-23.59 Uhr MESZ.

Die allerletzten Kurzwellensendungen der Deutschen Welle auf Deutsch laufen von 2200-2300 UTC (also 00.00-01.00 MESZ) über folgende Sender: 9765 kHz via Trincomale, Sri Lanka für Südostasien; 9895 kHz via Kigali, Ruanda, für Südostasien; 11865 kHz via Sines, Portugal, für Südamerika sowie auf 17820 kHz via Cypress Creek, USA, für Südamerika.

Tatsächlich sendet das deutsche Programm jedoch noch bis 0000 UTC, also 2 Uhr Nachts, dies jedoch nur via Satellit und Internet. Am Samstag wird im Rahmen von “DW-Magazin” jeweils nach den Nachrichten eine Abschiedssendung ausgestrahlt.

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Weiterführende Informationen:

– Statement der Deutschen Welle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,6643707,00.html

– Details zu den Sparplänen: http://www.dxaktuell.de/?p=1723

– Geschichte der DW: http://www.dw-world.de/dw/0,,11524,00.html

– Sendeplan: http://www.dw-world.de/popups/popup_pdf/0,,8920246,00.pdf

– DW: “Wir waren jung, neugierig und ahnungslos”: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,15477515,00.html

– Song “Deutsche Welle – Born to be free”, eine Produktion der Deutschen Welle. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.

10 Kommentare zu „Adieu, DW: Ein Rundfunkriese schaltet ab“

  • Juergen:

    Ein schöner Abschiedsbericht, der all das aussagt, was wohl die meisten Radiofreunde denken!

  • radiomensch:

    Es wäre angemessen, wenn wenigstens ganz zum Schluss noch jemand im Studio säße und die letzte Absage macht.

  • Heinrich:

    Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Er drückt das aus, was wir denken. Es hat auch keinen Sinn, über das Ende der DW zu lamentieren (was ich gern tun würde).
    Also, was hilft’s? Eine Ära geht zu Ende. Alles weitere Nachtrauern muss ich mir nun verkneifen. Es ist halt so.

  • Die Lücke werden andere Sender schließen….
    Das dies nicht zu Gunsten des Ansehens Deutschlands ist, wissen wohl alle.
    Die DW war ein Vertreter Deutschlands. Die Politik wird nur noch ganz oben gemacht. Die Entscheidungselite im Ausland hört keine DW, sondern normale Menschen. Diese sind egal und Nutzlos.

  • Heinrich:

    Wie wenig die DW daran interessiert ist, Hörer zu haben, sieht man ja auch daran, wie die Automaten in Rampisham z. B. gestern das “Abschiedsmagazin” urplötzlich abgeschaltet haben, obwohl es noch gar nicht zu Ende war. Zu Zeiten von Jülich und Wertachtal wäre so etwas nie passiert. (Ja, ich Unverbesserlicher habe das Programm tatsächlich an einem echten Radioapparat gehört und nicht auf irgendeiner Android-App.)
    Was die Damen und Herren in der Redaktion gestern über die angebliche Zukunft des DW-Programms so von sich gegeben haben, konnte auch nicht recht überzeugen. Da wurde ständig irgendetwas geredet, dass man die Hörer auch in Zukunft nicht im Stich lassen wolle und mit aktuellen Hintergrundinformationen über Tagespolitik, Sport etc. auf dem Laufenden halte wolle. Außer einem Hinweis auf ein oder zwei Podcasts und und einem geplanten(!) Ausbau des “interaktiven Webangebots” blieb da aber nicht viel übrig.
    Es hilft nichts: Frei empfangbares Radio stirbt halt oder ist schon tot! (Evtl. Mitlesende der Twitter- und Facebookgeneration müssen das jetzt nicht verstehen.)

  • Traurig, traurig!

    Zwar bin ich noch nicht sehr lange ein aktiver “Kurzwellenhörer”, aber schon in den Urlauben mit den Eltern in den Neunzigern war die DW ein wichtiger Bestandteil, schon alleine wegen den Bundesliga-Übertragungen.
    So werde ich jetzt wohl den Moment vergangenen September, an dem ich auf Fuerteventura die BuLi-Konferenz gehört habe, nicht so schnell vergessen.
    Auch ich zähle mich zur “jungen” Generation die mit Twitter und Facebook aufgewachsen ist, aber dennoch ist das gute alte Radio eines meiner Lieblingsmedien!

  • Noch eine Frage:

    Hat vielleicht jemand nen Link zum Podcast von der Abschaltung gestern Nacht, oder vielleicht einen Mitschnitt der letzten Stunde oder so? Wäre sehr nett, danke!

  • Tim:

    Für mein AM-Kofferradio auf dem Schreibtisch wird es langsam eng! Der einzige Sender , der mir jetzt noch AM-Vollzeitprogramm liefert ist SWR Contra….
    …und der schaltet Ende 2011 auch ab. Ahhh und der Deutschlandfunk auf Langwelle ist tagsüber auch noch brauchbar….

  • Thorsten:

    Betreibe seit über 25 Jahren Kurzwellenempfang als Hobby. Die 6075kHz war immer die erste Frequenz, die ich bei neuen Empfängern eingestellt habe, quasi als erster Funktionstest. Auch im Ausland/Urlaub waren Nachrichten der DW gerne gehört. Nur leider war es das dann auch schon. Die meiner Meinung nach teilweise sehr langweilig gestalteten Programme luden selten zu längerem Verweilen ein. Ich denke, dass die DW selbst mit schuld daran ist, dass die Hörerzahl kontinuierlich zurückgegangen ist.

  • Peter Jenus:

    Sehr geehrte Redaktion des FOCUS,

    im August 2014 soll die ehemalige DEUTSCHE WELLE Kurzwellen-Radiostation bei Buchloe / Bayern
    gesprengt und verschrottet werden !
    Damit hat Deutschland keine internationale Radiostimme weltweit mehr mit der die Hörer direkt
    per einfachem Kurzwellen-Radio ungestört erreicht werden können !

    Wie Sie wissen kann man heutige Medien wie Internet, Satellit und Telefone sperren,
    abschalten oder beeinflussen !
    Denken Sie an aktuelle Ereignisse in der Ukraine, Irak, Afghanistan und China !

    Diese grösste Sendestation Europas hat von 1972 bis 2006 die internationalen Programme der
    DEUTSCHEN WELLE Köln abgestrahlt, wurde dann an die ” TELEDIFFUSION DU FRANCE ”
    verkauft, ausserdem zahlte die DW 14 Mio. Euro Abstand weil ein langjähriger Mietvertrag bestand.

    Die Tochtergesellschaft ” MEDIA BROADCAST ” betrieb die Sender dann im Leasing für private
    und religiöse fremdsprachliche Aussendungen bis die Aufträge ausblieben.
    Im Mai 2013 wurde die Station stillgelegt und soll in Kürze abgerissen und verschrottet werden.

    Noch heute bestehen 14 Sender mit 500 kW und 2 Sender mit 100 kW Leistung im Wert von vielen
    hundert Mio. Euro, jede der 60 Antennen zwischen den 29 Masten hat einen Wert von einer Mio. Euro,
    die Gesamtfläche beträgt 134 Hektar. Die Anlage ist betriebsbereit.

    Ich bitte Sie meine Angaben zu recherchieren und um einen entsprechenden Artikel in Ihren Medien
    damit massgebende Regierungsstellen auf diesen für Deutschland nachteiligen Missstand aufmerksam
    werden.
    Sonst wird ein einmaliges Sprachrohr Deutschlands und die Verbindung zu allen Deutschen im Ausland
    für immer vernichtet……………..

    Mit freundlichen Grüssen…..PETER JENUS und unzählige Befürworter.


    Anmerkung d. Red.: Private Postanschrift ausgeblendet

    http://www.wabweb.net/radio/sender/wertachtal.htm

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