Deutsche Welle: Mehr Fernsehen, KW-Ausstrahlung wird massiv reduziert

Nach Ansicht der Deutschen Welle wird die Kurzwelle kaum noch benötigt, Internet, Satellit und UKW sind die Zukunft. (c) DW

Am 1. Juli 2011 beginnt die Deutsche Welle mit massiven Sparprogrammen – und trennt sich u.a. von zwei Sendestationen und der Ausstrahlung vieler Sendesprachen auf Kurzwelle. Auch das deutsche Programm wird künftig nicht mehr auf analoger Kurzwelle zu hören sein.

In einer Pressemitteilung vom heutigen Mittwoch weißt die DW darauf hin, man werde mit den Maßnahmen „den weiteren Umbau des deutschen Auslandsrundfunks zu einem Multimediaunternehmen“ in die Wege leiten. Besonders die Ausstrahlung von Programmen über UKW-Partnerstationen, via Internet und Satellitenkanäle soll gefördert werden – Kurzwellenhörer hingegen werden in vielen Fällen nur noch Rauschen aus ihren Empfängern hören. Einzig für Afrika soll die Kurzwellenverbreitung aufrecht erhalten werden, alle anderen Dienste werden reduziert oder eingestellt. Begründet wird der Schritt mit der zurückgegangenen Nutzung der Kurzwellenausstrahlung.

„Die frei werdenden Mittel setzt die DW für zukunftssichernde Projekte ein, insbesondere für den Ausbau und die Regionalisierung des DW-Fernsehens, die Produktion inhaltlich und sprachlich regionalisierter TV-Sendungen und die Stärkung der Online- und Mobilangebote“, heißt es in der Presseaussendung weiter. Während beim Radio also eingespart wird, soll das Fernsehprogramm ausgebaut werden. Zwei TV-Programme pro Region, eventuell in zwei verschiedenen Sprachen, werden angestrebt.

In verschiedenen Städten ist die Deutsche Welle mit eigenen UKW-Sendungen vertreten. Hier strahlt man in Eigenregie Programme in verschiedenen Sprachen nach einem festen Programmschema ab. Diese Sendelizenzen werden zum 1. Juli jedoch zurückgegeben. Es handelt sich dabei um Sender in Sofia, Bukarest, Pristina und Tirana. Die Programme auf Bulgarisch, Griechisch, Kroatisch, Mazedonisch, Polnisch und Rumänisch werden ebenfalls nicht mehr auf UKW zu empfangen sein, die auf  Albanisch, Bosnisch und Serbisch reduziert. „In diesen Sendesprachen konzentriert sich die DW künftig auf ausgewählte Partnerschaften mit lokalen UKW-Sendern“, so die Pressemitteilung, die auf der Senderhomepage zu lesen ist. „Das albanische Angebot fokussiert auf das Kosovo; auch hier wird die Präsenz im Land über UKW-Partner sichergestellt. Ein Angebot auf Romanes bleibt mittelfristig erhalten. Für die Ukraine prüft die DW die Zusammenarbeit mit einem Partner, der das reduzierte, auf ihn zugeschnittene Hörfunkprogramm auf UKW übernimmt.“ Komplett eingestellt wird die Radioverbreitung der Sprachredaktion Hindi.

Was bereits seit einigen Monaten in Form von Gerüchten durch die Radioszene geisterte, bestätigt sich nun: Das Deutsche Programm war seit 1953 auf Kurzwelle zu hören – am 1. November ist Schluss damit. Zu diesem Datum stellt die DW die Kurzwellenübertragung der Sendesprachen Deutsch, Russisch, Farsi und Indonesisch ein. Chinesische KW-Sendungen werden halbiert, englische für Afrika begrenzt. Tatsächlich wurde das deutsche Programm bereits seit einigen Jahren schrittweise auf eine traurige Programmschleife ergänzt, die rege mit Beiträgen aus dem ARD-Pool gefüllt wurde.

Von November an strahlt die DW dann noch in folgenden Sprachen Radioinhalte via Kurzwelle aus: Amharisch, Chinesisch, Dari, Englisch und Französisch für Afrika, Haussa, Kisuaheli, Paschtu, Portugiesisch für Afrika und Urdu.

Auch zur Zukunft von zwei Sendestationen äußert man sich – keinesfalls mit positiven Neuigkeiten: „Wurden zuletzt täglich rund 260 Stunden Kurzwellenprogramm über eigene und angemietete Sendestationen verbreitet, sind es mit der Konzentration auf Afrika und wenige weitere Zielgebiete in Asien zu Beginn der Winterzeit 2011 nur noch rund 55 Stunden täglich.

Für die KW-Ausstrahlung nach Afrika wird nur noch die Relaisstation in Kigali (Ruanda) benötigt, die Stationen in Trincomalee (Sri Lanka) und Sines (Portugal) können nicht mehr ausgelastet werden. Da ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich ist, ist die Einstellung des Sendebetriebs in beiden Stationen zum 1. November 2011 und die Schließung der Stationen zum nächstmöglichen Zeitpunkt vorgesehen. Durch den Abbau von Mietkosten und die Schließung der beiden Relaisstationen erzielt die DW erhebliche Einsparungen, die für die Weiterentwicklung des Senders eingesetzt werden.“ Die Sendestationen wurden in der Vergangenheit bereits von anderen Sendern mitbenutzt und erst vor wenigen Jahren mit neuer Sendetechnik ausgestattet, der Sender in Sines gehörte z.B. zu den ersten DRM-Sendestationen in Europa.

 

Zukunft der Sprachredaktionen für Afrika & Asien

„In Afrika baut die DW bis Ende 2011 ihr UKW-Partnernetz weiter aus – vorerst parallel zur bestehenden Kurzwellenausstrahlung. In diesem Sinne wird die Radioproduktion für Haussa, Kisuaheli, Französisch und Portugiesisch für Afrika schrittweise weiter auf eine UKW-Ausstrahlung hin optimiert. Außerdem wird die DW spätestens mit Beginn der Winterzeit 2011 ein tägliches Hörfunk-Regionalmagazin für Afrika auf Englisch produzieren und über Partnerstationen verbreiten. Für Nahost und Nordafrika werden radiophone Angebote auf Arabisch erstellt und online, mobil sowie über Partnersender verbreitet.

In den Sendesprachen Bengali, Urdu, Dari/Paschtu und Indonesisch für Südasien, Indien, Pakistan und Afghanistan setzt die DW weiterhin auf UKW-Partnerschaften. Eine Entscheidung über die Weiterführung dieser Partnerschaften erfolgt in Abhängigkeit von der Budgetsituation und den Evaluationsergebnissen.“

 

 

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Weiterführende Informationen:

– Presseaussendung: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,6529090,00.html

7 Kommentare

  • Heinrich

    18. Mai 2011 um 17:57

    “den weiteren Umbau des deutschen Auslandsrundfunks zu einem Multimediaunternehmen”…
    Die Deutsche Welle sollte bitte das Wort Rundfunk nicht mehr in den Mund nehmen. Klickibunte Webseiten, Podcasts und Facebook- und Twitter-Gelabere sowie CNN- und Al Jazeera-Imitate am TV sind für mich kein Rundfunk.
    Rundfunk ist freies Radio, das ich notfalls auch mit einem batteriebetriebenen Empfänger unabhängig von Internetsperren und Mobilfunkgebühren weltweit empfangen kann. Was die DW macht, ist kein Radio mehr.
    Nun, dann wird sich die freien Sendekapazitäten halt China Radio International schnappen. Dort hat man verstanden, wie man sich weltweit Gehör verschafft. Die DW braucht scheinbar keine Zuhörer mehr.

  • wolfo

    18. Mai 2011 um 18:48

    „Durch den Abbau von Mietkosten und die Schließung der beiden Relaisstationen erzielt die DW erhebliche Einsparungen, die für die Weiterentwicklung des Senders eingesetzt werden.“

    Warum nur zweifle ich, dass sich durch den Abbau der Mietkosten was weiterentwickelt geschweige denn verbessert bei der DW?
    Naja, nachdem sich auch der BBC entschlossen hat, nur noch Feindbeschallung (Farsi, Arabisch) bzw. Marktbeschallung (Chinesisch) zu machen, wird der Abbau in Europa wohl noch schneller gehen 🙁
    Der Völkerverständigung dient das aber nicht.

  • Wellenreiter

    18. Mai 2011 um 20:02

    Ach ja, jetzt muss die Völkerverständigung wieder herhalten. Auch im kalten Krieg war Kurzwellenrundfunk vor allem eines: Feindbeschallung. Schon vergessen? Mag ja sein, dass die Deutsche Welle nicht mehr, sondern weniger Radio macht. Aber für wen eigentlich? Für Kartensammler? Wenn es in ausreichender Zahl Hörer gäbe, würde die DW als letztes auf ihr angestammtes Medium verzichten. Aber die Zeiten haben sich nun mal geändert.

  • tom

    29. Juni 2011 um 18:34

    Das ist aber schade, wenn nicht sogar ärgerlich. Es gibt nach wie vor eine Menge Weltreisende, die privat oder beruflich unterwegs sind. Viele von denen wollen DW Nachrichten hören. Aber das ist den Sendern ja egal. Mainstream ist angesagt, da spielt so eine „kleine Minderheit“ keine Rolle, die werden unter den Tisch gefegt. Übrigends: auch die DW lebt unter anderem von Rundfunk und Fernsehgebühren.

  • Banane

    30. Oktober 2011 um 13:03

    Ich, – Weltreisender, privat oft im Ausland – zweifle sehr daran, dass der Deutsche Bundestag überhaupt wusste, was die Kurzwelle ist, die er da abschalten wollte. Vermutlich dachten die, wozu noch die Kurzwelle, wenn es ja die Ultrakurzwelle gibt, die noch weiter reicht.

    Wenn man schon Sendeanlagen einsparen wollte, hätte man zu mindestens ein ansprechendes DW-Programm in deutscher Sprache, etwa Stand 2005, über Internet übertragen können. Stattdessen fast gar nichts mehr!

  • Dessau

    27. Mai 2012 um 11:44

    Ich möchte die Deutsche WElle weiterhin im Fernsehen anschauen, da hat sich aber etwas geändert. Auf welcher Welle wird jetzt gesendet? Dessau

  • Garuda

    11. Juli 2012 um 19:13

    Die Deutsche Welle und die politisch Verantwortlichen habe nunmehr ein Programmangebot geschaffen, auf das man letztlich völlig verzichten sollte: ganz schnell einstellen, kein TV, keine Webseiten, Rest-Radio für Afrika einstellen – dann kann man wirklich sparen.
    Es ist im internationalen Vergleich sehr beschämend, wie sich die Deutsche Welle -und damit die Bundesrepublik Deutschland- jetzt in der Welt/für die Welt präsentiert:
    – völlige Einstellung des Radios (vom noch vorhandenen und kümmerlichen Rest für Afrika mal abgesehen)
    – furchtbar missratener Internetauftritt (zu bunt/grell, wenig informativ, sehr einseitig)
    – völlig inakzeptable TV-Angebote (unübersichtlich, absurder und permanenter Wechsel zwischen Deutsch und Englisch, viele wichtige Informationen kommen zu kurz oder werden nicht erwähnt)
    Die Deutsche Welle sollte sich ein Bespiel an einigen anderen internationalen -wirklichen- Informationssendern nehmen – doch leider ist die DW beratungsresistent und ignorant. Ich bin sehr oft monatelang in vielen Ländern der Welt unterwegs – auf die DW kann ich jetzt vollkommen verzichten und auch meine vielen ausländischen Freunde und Geschäftspartner sind mittlerweile der gleichen Meinung.
    Kurzwelle ist in der Tat sehr kostenintensiv – allerdings hätte die DW über Internetstream aktuelles und informatives Radio (auch in verschiedenen Sprachen, incl. Deutschkurse) senden können und müssen, dies machen ja sogar viele kleine „Küchenradios“ sehr kostengünstig.
    Viele vergebene Chancen der wirklichen und einfach zugänglichen Informationen für viele Deutsche im Ausland (und auch Inland) und für die vielen an Deutschland interessierten Ausländer, die sich jetzt woanders und anders informieren. Eine Schande für die Deutsche Welle und auch für Deutschland!

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