Radio France Internationale: Streik dauert an

„Vous écoutez RFI Musique“ – Seit einem Monat ist diese Ansage nun auf dem Satellitenkanal von Radio France Internationale zu hören, der eigentlich das deutsche Programm aus Paris übertragen sollte. Doch die Belegschaft des französischen Auslandsradios befindet sich seit Wochen im Streik, begeht heute am 11. Juli 2009 den 31. Streiktag. Mehrmals entschieden sich Gewerkschaft und Mitarbeiter zur Verlängerung des Streiks, die Reaktion der Chefetage des Senders: keine. Der Sendeplatz des deutschen Programms wurde von RFI kurzfristig mit einem MusikprogrammProteste gegen die Sparpläne von RFI. Quelle: http://www.bnnnews.it/lettrede.asp http://rfiriposte.wordpress.com/ belegt, man sieht sich nicht in der Lage, die üblichen drei Magazinsendungen zu produzieren. Grund für die Arbeitsniederlegungen sind Sparpläne. Sie sehen die Streichung von 206 Arbeitsplätzen sowie mehreren Sprachredaktionen vor. Unter diesen bedrohten Redaktionen befindet sich auf die deutsche, die bereits mehrmals den Rotstift der RFI-Führung zu spüren bekam. Die beschloss die Auflösung des deutschen Programms bereits mehrmals, zögerte sie jedoch immer wieder hinaus. Nun soll aber endgültig Schluss sein, die ersten Arbeitsverträge sind bereits ausgelaufen. Begründet wird dieser Schritt mit dem Fall der Berliner Mauer, schließlich seien die Bürger der ehemaligen DDR inzwischen nicht mehr auf unabhängige Medien angewiesen. Trotz zahlreicher Proteste, u.A. durch Klaus Wowereit, die den Sender sogar in die Schlagzeilen deutscher Medien beförderten, hält man an den Sparplänen fest. Berlins Regierender Bürgermeister meinte u.A.: „Die Schließung der Redaktion würde…den Eindruck erwecken, als sei der deutschsprachige Raum für Frankreich nicht mehr interessant. Schließlich hat sich die deutschsprachige Redaktion…zu einer wichtigen Plattform unserer partnerschaftlichen Beziehungen entwickelt.“

Vor kurzem wandte sich die deutsche Redaktion mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und an Nicolas Sarkozy. Darin heißt es, dass durch eine Schließung der deutschen Redaktion „…die aktuellste und umfangreichste Plattform für Radio- und Webberichterstattung aus und über Frankreich in deutscher Sprache“ abgeschafft werden würde. Überdies sei die Berliner Mauer niemals eine Daseinsberechtigung für das deutsche RFI-Programm gewesen. Die Grundlage bilde der 1963 unterzeichnete Elysée-Vertrag. „Das Einverständnis, die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich sind keine bloße Wahl, sie sind eine Pflicht. (…) Wir müssen die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern wie einen Schatz bewahren. Es ist vielleicht der wertvollste Schatz, der wichtigste für Europa.“ meinte Frankreichs Staatspräsident vor kurzem. Diese Aussage steht im krassen Gegensatz zur Meinung der RFI-Intendanz. Beachtlich jedoch: Es war Nicolas Sarkozy, der noch vor einigen Monaten die Abschaffung aller Fremdsprachen beim französischen Auslandsfunk forderte.

Einziges Lebenszeichen der deutschen Redaktion ist derzeit die deutsche Abteilung der Homepage www.rfi.fr, die weiterhin aktualisiert wird.

Bildquellen und weitere Informationen: http://www.bnnnews.it/lettrede.asp http://rfiriposte.wordpress.com/2009/06/10/on-parle-de-nous-2/

1 Kommentar

  • radiomensch

    10. Juni 2009 um 22:40

    RFI ist ja, soweit zu überblicken, überhaupt nicht mehr zu hören: Weder auf Französisch, noch in den Fremdsprachen.

    Wenn die Franzosen streiken, so tun sie dies mit zerstörerischer Nachhaltigkeit.

    Man man muss sich doch die Frage stellen, welche Auswirkungen es hat, wenn einer der wichtigsten Auslandssender über Wochen hinweg nicht mehr im Äther vertreten ist. Dies mag für die Hörerschaft in Europa noch nicht einmal ein großes Thema sein; aber in Afrika, wo RFI eine feste Größe in der Medienlandschaft vieler Länder ist, sind die Auswirkungen verheerend.

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